„Fluch der Karibik“-Regisseur enttäuscht mit Comeback-Apokalypse
Sam Rockwell als Mann aus der Zukunft sucht Verbündete im Kampf gegen KI-Allmacht: „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“.
Gore Verbinski ist jener Regisseur, dem wir das immens erfolgreiche Blockbuster-Franchise „Fluch der Karibik“ verdanken. An seinen unglaublichen Welt-Hit schloss er mit zwei Western an: Einer davon, mit einem animierten Chamäleon namens „Rango“ in der Titelrolle, bekam einen Oscar; der andere mit Johnny Depp als „Lone Ranger“ floppte brutal. Auch seinem darauffolgenden Psychothriller „A Cure for Wellness“ erging es an den Kinokassen nicht viel besser. Und danach machte seine Karriere erst einmal Pause.
Knapp zehn Jahre später hat sich Gore Verbinski von den Box-Office-Desastern erholt und kehrt in den Regiesessel zurück. Leider ist seine übersteuerte Sci-Fi-Komödie nicht ganz so unterhaltsam, wie es ihr flotter Titel „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ verspricht. Verbinskis dystopisches Anti-KI-Actionabenteuer sieht aus, als hätte es sich von Terry Gilliams „12 Monkeys“ lausen lassen und dann in der „Matrix“-Inspirationskiste gewühlt – und das ganze zweieinviertel Stunden lang. Insofern fühlt sich sein Retro-Chic recht altbacken an, wenngleich die von ihm angeprangerte Handy-Sucht samt Kritik an Künstlicher Intelligenz den Puls der Zeit fühlen will.
Sam Rockwell spielt einen Mann aus der Zukunft, der aussieht wie eine Mischung aus Selbstmord-Attentäter und Obdachloser. Um zehn Minuten nach zehn Uhr abends schlägt er in einem Diner in Los Angeles auf und erklärt den verblüfften Gästen, dass die Welt kurz vor der KI-Apokalypse stünde: Eine allmächtige Künstliche Intelligenz in Form eines kleinen Buben würde die Herrschaft an sich reißen und müsse gemeinsam gestoppt werden.
Freiwillige vor!
Highschool-Shooting
Zuerst meldet sich natürlich niemand. Aber dann spitzt sich die Situation zu und eine Handvoll „Freiwilliger“ findet sich zusammen. Um wen es sich dabei genau handelt, erfahren wir in Rückblenden im schrägen „Black Mirror“-Serienstil: Ein Lehrerpaar, das von seinen Schülern gejagt wird, die von ihren Handys in Zombies verwandelt wurden; eine Mutter, deren Sohn bei einem Highschool-Shooting umkam und als Klon zurückkehrt; und eine Frau, die auf Mobiltelefone und WLAN mit allergischem Nasenbluten reagiert.
Eine Gruppe von Diner-Gästen soll die Welt retten: "Good Luck, Have Fun, Don't Die".
Oscarpreisträger Sam Rockwell als „Mann aus der Zukunft“ führt seine disparate Gruppe durch ein nächtliches Los Angeles zum Haus des KI-Buben, unterbrochen von wilden Actionsequenzen wie Verfolgungsjagden und Schießereien.
Gore Verbinski und sein umständlicher Drehbuchautor Matthew Robinson (praktisch jede Szene ist zu lang) machen kein Hehl aus ihrer Aversion gegen moderne Technologien und ihre Anwender – meist verblödete Jugendliche, süchtig auf Katzenvideos. Deutlich lässt er in seiner schwarzhumorigen Apokalypse-Parodie seinen Kulturpessimismus heraushängen und sieht dabei ziemlich alt aus. Nicht umsonst schließt seine Aufforderung „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ mit dem Nachsatz „Fuck You, Future!“
INFO: D/USA 2025. 134 Min. Von Gore Verbinski. Mit Sam Rockwell, Haley Lu Richardson.
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