Ein interreligiöses Gespräch unter Freunden

Bischof Glettler und Imam Mohammed tauschen sich über Glaube, Hoffnung und Liebe aus.
INTERVIEW MIT DIÖZESANBISCHOF HERMANN GLETTLER

Hermann Glettler, steirischstämmiger kunstsinniger Bischof von Innsbruck, zählt zu jenen österreichischen Hirten, welche immer wieder auch zu aktuellen gesellschaftspolitischen Fragen Stellung beziehen.

Gemeinsam mit dem muslimischen Theologen Abualwafa Mohammed hat er sich auf „Spuren der Hoffnung in einer verwundeten Gesellschaft“ begeben. Sie tun das in Form eines Zwiegesprächs, gegliedert in fünf Kapitel. Dabei versteht sich das Buch ausdrücklich als „Dokument unserer Freundschaft“ – die beiden kennen einander aus der Zeit, als Glettler Pfarrer in Graz und Mohammed Imam ebendort war.

Das Ganze liest sich gut – Glettler und Mohammed sind sich über weite Strecken einig, meist fungiert der eine als Stichwortgeber für den anderen. Dabei kommt freilich das Kontroverse etwas zu kurz. Beispiel: „Mohammed: Das Phänomen des Hasses beschäftigt uns weiterhin. […] ganz egal, wo der Hass auftaucht, ob auf der Straße, im Netz oder in den Medien. – Glettler: So ist es, leider. Diese negativen Dynamiken können wir nicht leugnen. […]“ Es gibt indes auch Ansätze zur Selbstkritik, wenn etwa Mohammed einräumt, viele Muslime würden sich „in der Opferrolle [verschanzen]“ und „der ganzen Gesellschaft den Vorwurf der Islamophobie“ machen. Oder an anderer Stelle: „Wenn es uns nicht gelingt, ein grundsätzliches Verständnis für europäische Werte und Lebensweisen zu fördern, wird es höchst problematisch.“

Das ändert aber nichts daran, dass Hass, Islamfeindlichkeit und dergleichen mehr dort verortet werden, wo sie der linksliberale Mainstream seit jeher sieht: bei den Rechtspopulisten und den von diesen infiltrierten sozialen Medien. Das ist natürlich nicht ganz falsch, aber doch ein wenig unterkomplex. Aber es fällt schwer, angesichts der engen Verbundenheit der Protagonisten, kritisch dazwischenzutreten. Anmerken könnte man allenfalls, dass hier – einmal mehr – der viel beschworene Dialog von jenen geführt wird, denen er ohnedies keine Probleme bereitet.

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Hermann Glettler, Abualwafa Mohammed: „Nicht den Hass, die Liebe wählen“, Herder, 192 Seiten, 22,70 Euro

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