Willem Dafoe und Billy Wilder beim Herrenschneider: "Der Souffleur"
Willem Dafoe als Manager des Hotels InterContinental Vienna: „Der Souffleur“ – ab Freitag im Kino.
Es gab eine kurze Zeit in seinem Leben, da habe er sich fürs Kochen interessiert, erzählt der argentinische Filmemacher Gastón Solnicki im KURIER-Gespräch. Bei der Gelegenheit entdeckte er auf einer Speisekarte das Soufflé – „zum Kochen allerdings ein Albtraum. Ich weiß noch: Mein erstes gelungenes Soufflé fühlte sich wie eine große Leistung an.“
Als er dann auch noch erfuhr, dass es sich beim Souffleur um jemanden handelt, der am Theater bei Texthängern einspringt, gefiel ihm die Idee des Soufflés noch viel besser: als eine Metapher für etwas, das sehr fragil ist und leicht zusammenbrechen kann. Und so kam es zu dem Filmtitel „Der Souffleur“ (Filmstart: Freitag), in dem der US-amerikanische Starschauspieler Willem Dafoe den Manager des Hotel InterContinental Vienna spielt und in seiner Freizeit durch Wien spaziert.
Nostalgischer Wien-Film von Regisseur Gastón Solnicki.
Willem Defoe habe er während eines Drehbuch-Workshops in Griechenland kennengelernt und sich mit ihm angefreundet, erzählt der Argentinier, dessen Film weniger von Handlungsmomenten als vielmehr von Stimmungen und Drehorten bestimmt wird: „Willem mag meine Arbeitsweise und setzt sich gerne offenen Situationen aus. Außerdem ist er extrem nett und großzügig.“
Ein bisschen Handlung gibt es aber doch in „Der Souffleur“: Dafoe spielt den Manager des berühmten Hotels am Stadtpark, das – glaubt man seiner Erzählerstimme – bei seiner Eröffnung 1964 als erstes Luxushotel der Welt geführt wurde und sich damit brüsten konnte, in jedem Badezimmer ein Telefon zu haben. Doch der Glanz der Tage ist verblichen, eine gewisse Schäbigkeit hat sich eingeschlichen. Ein Investor – verkörpert vom Regisseur selbst – will das Gebäude übernehmen und abreißen.
Allerdings sind es weniger die Fakten, die Gastón Solnicki bei seinem nostalgischen Wien-Streifzug interessieren, als vielmehr das, was er persönlich mit der Stadt assoziiert. So steht das InterContinental als „American Flagship“ für eine bestimmte Ära des Tourismus in den 1960er-Jahren. Bei der Gelegenheit muss Solnicki auch gleich an Billy Wilders Komödie „Eins zwei drei“ (über den Kalten Krieg) denken – „ein Film, den ich sehr mag!“ Von dem in die Emigration gezwungenen Regisseur Billy Wilder, der in Wien seine Jugend verbrachte, ist in „Der Souffleur“ auch die Rede: Willem Defoe lässt sich beim Herrenschneider Knize am Graben einen Anzug nähen. Der Besitzer höchst persönlich nimmt Maß und erzählt nebenher, dass schon Billy Wilder ein begeisterter Kunde von ihm war.
Wien-Trilogie
Seit seiner Kindheit und Jugend macht Gastón Solnicki, geboren 1978 in Buenos Aires als Sohn einer jüdischen Einwandererfamilie, in Wien Station. Zudem ist er langjähriger Gast der Viennale, wo er 2008 den damaligen Direktor Hans Hurch ( 2017) kennenlernte: „Er wurde zu einem sehr guten Freund und ich hatte das Privileg, alle meine Filme auf der Viennale zu zeigen.“
Nach dem Tod von Hans Hurch begab sich Gastón Solnicki auf Erinnerungsspurensuche seines Freundes. Es entstand mit „Introduzione all’oscuro“ (2018) der Beginn seiner Wien-Trilogie, die mit „A Little Love Package“ (2022) fortgesetzt wurde und nun mit „Der Souffleur“ seine Vollendung findet: „Wien ist ein sehr spezieller Ort für mich.“
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