New Yorker Galeristin Marian Goodman 97-jährig gestorben

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Machte Gerhard Richter oder Anselm Kiefer in den USA berühmt und förderte wegweisende Konzeptkunst

Die legendäre New Yorker Galeristin Marian Goodman, die eine wesentliche Rolle in den internationalen Karrieren von europäischen Künstlern wie Gerhard Richter, Anselm Kiefer oder Marcel Broodthaers gespielt hatte und für ihre kompromisslose Unterstützung auch schwieriger, konzeptbasierter Kunst bekannt war, ist tot. Wie ihre Galerie am Sonntag mitteilte, starb die "lebenslange New Yorkerin", die ihren Hauptstandort in Manhattan 1977 eröffnet hatte,  bereits am 22. Jänner. Sie war 97 Jahre alt. 

Als Tochter ungarischer Einwanderer in New York geboren, startete Goodman zunächst einen Handel für Künstlereditionen, bevor sie - bereits 41-jährig- ihren Standort an der 57. Straße in Manhattan eröffnete (laut einem New York Times sei es ihr die Gehdistanz zum "Museum of Modern Art" wichtig gewesen). Die US-amerikanische Malerei, die in jener Zeit alles dominierte, erregte aber weniger die Aufmerksamkeit Goodmans als die Werke junger Künstler aus Deutschland, die sie u. a. bei der "documenta" in Kassel kennenlernte.

Drehscheibe

Goodman - wiewohl auftrund ihres jüdischen Familienhintergrunds anfangs mit einer sehr deutschlandskeptischen Haltung ausgestattet - wurde in den USA zu einer der stärksten Verfechterinnen von Malern wie Gerhard Richter, der bis ins Jahr 2022 an ihre Galerie angedockt blieb, oder Anselm Kiefer, der wegen seiner Vergangenheitsbewältigung in den 1980er Jahren teils verdächtigt wurde, mit Deutschtümelei zu liebäugeln. 

In der Folge entwickelte sich Goodmans Galerie zu einer transatlantischen Drehscheibe. 1995 expandierte sie nach Paris, 2023 eröffnete eine Dependance in Los Angeles. 

Goodman vertrat auch führende Positionen der Konzeptkunst - etwa Marcel Broodthaers, Lawrence Weiner oder Andrea Fraser - wie auch das komplexe Werk von Fotokünstlerin wie Thomas Struth oder James Welling. "Bei den Künstlern, mit denen ich arbeite, habe ich immer die Qualitäten gefunden, die ich in meiner eigenen Erfahrung wertschätze", wird Goodman in einer Würdigung ihrer Galerie zitiert. Das verbindende Element zwischen Goodman, ihren Künstlern und ihren Künstlerinnen war demnach "ein humanistisches Anliegen, einen kulturkritischen Sinn für unseren Lebensstil, einen dialektischen Zugang zur Realität und eine künstlerische Vision eines zivilgesellschaftlichen Engangements."

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