Fran Drescher: "Marty Supreme war eine Erleichterung"

Schauspielerin Fran Drescher im KURIER-Interview über ihre Rolle in "Marty Supreme" und Karrieresorgen nach dem Streik 2023.
Eine Frau im Leopardenkleid (Fran Drescher) posiert lächelnd auf dem Hollywood Walk of Fame neben einer Sternenplakette.

Die Nanny“-Fans werden eher zwei Mal hinschauen müssen. Im Oscar-nominierten „Marty Supreme“ (ab Freitag im Kino) ist Fran Drescher von der Optik ihrer berühmtesten Rolle meilenweit entfernt. Kein Animalprint, kein superkurzer Mini, kein toupiertes Haar, ja nicht einmal ein bisschen Lippenstift. Fran Drescher spielt in dem Film die Mutter der Titelfigur. Das ist der von Timothée Chalamet verkörperte Marty Mauser, der 1952 nicht mehr im Schuhgeschäft seines Onkels arbeiten will. Er möchte lieber Weltmeister im Tischtennis werden. Sein jüdischer Hintergrund in der New Yorker Lower East Side ist wenig glamourös. Und so sieht eben auch Fran Drescher als Rebecca aus: „Ja, die Maske und auch das Licht taten alles dafür, dass ich besonders traurig und arm aussehe“, erzählt die 69-Jährige im Telefon-Interview kurz nach ihrem Wien-Aufenthalt. Das machte ihr nichts aus, denn „Für mich ist es großartig, wenn ich einmal die Gelegenheit habe, dramatische Rollen zu spielen.“

Arbeiten mit Dunkelheit

Denn allzu oft war das in ihrer Karriere nicht der Fall. Schon früh hat sie gemerkt, dass unter anderem ihre eigenwillige Stimmfärbung dazu führte, dass sie Rollen nicht bekommen hat. Also hat sie beschlossen, sie wird die „hübsche Lustige mit der komischen Stimme“. „Marty Supreme“-Regisseur Josh Safdie sah aber mehr in Drescher: „Er meinte, ich habe in meinem Leben schon viel Dunkelheit erlebt, aus der ich für diese Rolle zehren kann. Er wusste, ich kann durch meine Lebenserfahrungen dieser Figur Tiefe verleihen.“

Einer der dunklen Momente war sicher, als sie 1985 Opfer einer bewaffneten Home Invasion wurde, bei der sie vergewaltigt wurde. Außerdem war sie an Gebärmutterhalskrebs erkrankt, den sie nach acht Fehldiagnosen besiegen konnte. Danach hat sie die Organisation „Cancer Schmancer“ gegründet, die daran arbeitet, dass Krebs bei Frauen rechtzeitig erkannt wird.

Sechs ältere Menschen stehen in einem Flur und blicken erschrocken und überrascht in eine Richtung.

Fran Drescher in "Marty Supreme" (zweite von links, neben Sandra Bernhard).

Mehr ernste Rollen

Dass „Marty Supreme“ so erfolgreich geworden ist, hat für Drescher auch den Nebeneffekt, dass sie nun mehr solche ernsthafte Rollen angeboten bekommt. „Nächstes Jahr spiele ich am Broadway in einem Stück, das sowohl lustig als auch ernst ist“, kann sie schon einmal verraten. „Das ist eine willkommene Abwechslung. Aber ich bin auch in einem Stadium meiner Karriere, in der ich nicht mehr alles mache. Es muss schon das Richtige für mich sein.“

Harte Verhandlerin

Es gab freilich auch einen handfesten Grund, warum sich Fran Drescher zuletzt Sorgen gemacht hat, dass ihr keine Rollen mehr offeriert werden und weshalb „Marty Supreme“ eine „Erleichterung“ brachte. Sie dachte, sie habe es sich mit den Studios verscherzt. Immerhin war sie eine Schlüsselfigur im Schauspielerstreik 2023, der Hollywood für vier Monate lahmlegte. Drescher war damals die Präsidentin der SAG AFTRA, der größten Entertainment-Gewerkschaft und verhandelte – wie sie es formuliert, „mit harten Bandagen“ – den strittigen Vertrag. Heute weiß sie, dass ihr Image ihr da wohl zum Vorteil gereichte: „Die Gegenseite hat mich sicher unterschätzt. Die dachten, da kommt die Nanny und mit der werden sie leicht fertig. Und außerdem bin ich eine Frau. Ich habe ihnen erst mal gezeigt, dass mehr in mir steckt und mir war wichtig, dass ich Mädchen und anderen Frauen zeigen kann, wie weibliche Führung aussieht.“

Kampf gegen KI

Auf einen Abschnitt des damals vereinbarten Vertrags ist Drescher besonders stolz – und wie kürzlich die Aufregung um ein gefaktes Video mit Tom Cruise und Brad Pitt bewies, hat das Thema an Aktualität nichts eingebüßt: die Regelung des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz in Film- und Serienproduktionen. „Dass wir durchgebracht haben, dass Schauspieler genehmigen müssen, dass ihre digitalen Kopien verwendet werden und Ausgleichszahlungen bekommen, war bahnbrechend. Und einflussreich: Darauf basierend werden jetzt Bundesgesetze gemacht.“

Ihr größter Wurf wird wohl ohnehin immer „Die Nanny“ bleiben, die bunte Sitcom, die sie lose aus ihrer eigenen Biografie entwickelt hat. Bei ihrem Auftritt in der Lugner City anlässlich ihres Besuchs beim Opernball drängten sich die Fans – obwohl die Serie schon 1999 eingestellt wurde. War sie überrascht über den anhaltenden Andrang? „Nein, ich habe das erwartet. Aber ich denke, die Veranstalter waren überrascht …“

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