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Nachruf
07/07/2021

Fixgröße im Wiener Theaterleben: Erich Schleyer ist tot

Leidenschaftlicher Geschichtenerzähler auf der Bühne und im Fernsehen - insbesondere für das junge Publikum. Schleyer wurde 81 Jahre alt.

Erich Schleyer, der mehr als zwei Generationen  als leidenschaftlicher Geschichtenerzähler auf der Bühne und im Fernsehen („Erichs Chaos“) bekannt wurde, ist tot. Dies wurde dem KURIER von Elke Hesse, der Direktorin des MuTh, bestätigt: "Erich Schleyer ist am Abend des 6. Juli 2021 in seiner Wahlheimat Wien verstorben."

Flucht in den Westen

Schleyer wurde am 1. März 1940 in Dresden geboren. Nach einem Studium an der Theaterhochschule Leipzig spielte er zunächst am Maxim-Gorki-Theater in Ost-Berlin. 1968 flüchtete er in den Westen und arbeitete bei Karlheinz Stroux in Düsseldorf sowie unter der Intendanz von Boy Gobert am Thalia Theater Hamburg. Bereits damals entdeckte er sein besonderes Talent, Sendungen für Kinder zu machen. Neben seiner Bühnentätigkeit und über 350 Fernseh- und Filmrollen widmete er daher einen großen Teil seiner Arbeit dem jungen Publikum.

Die TV-Kinder-Serie „Das feuerrote Spielmobil“ machte ihn in der Bundesrepublik ungemein populär, später setzte er seine Fernseharbeit für und mit Kindern in Österreich unter anderem mit den Sendungen „Erichs Chaos“ oder „Der schiefe Turm“ im ORF fort. Als Kinderbuchautor trat Schleyer etwa mit seinen „Spirello“-Geschichten hervor, weiters erschienen die „Katze Nora“ (1987) oder „Verschleyerte Geschichten“ (1998).

Einstieg in Wien

In Wien hatte der Theaterschauspieler Anfang der 1980er-Jahre am Volkstheater in „Einer flog über das Kuckucksnest“ einen großartigen Einstieg. Weitere Erfolge feierte er in Hans Gratzers Schauspielhaus, unter anderem in der „Rocky Horror Show“ oder in „Angels in America“. Unter der Regie von George Tabori spielte er am Burg- oder Akademietheater in „Die Massenmörderin und ihre Freunde“, „Die Ballade vom Wiener Schnitzel“ und „Babylon Blues“.

Im Theater an der Josefstadt war er u.a. in Nestroys „Mann, Frau, Kind“, als Peachum in der „Dreigroschenoper“ und in Peter Turrinis „C'est la vie - Eine Revue“ zu sehen. Am Volkstheater stand er etwa im „Ratgeber für den intelligenten Homosexuellen zu Kapitalismus und Sozialismus mit Schlüssel zur Heiligen Schrift“ von Tony Kushner an der Spitze des Ensembles.

Breit gefächert waren auch seine Auftritte im Fernsehen: So war Schleyer in Gastrollen etwa in „Kommissar Rex“, „Der Alte“ oder „Tatort“ zu sehen. Schleyer wurde dafür unter anderem mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst und dem Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien ausgezeichnet. 2011 erhielt er den Berufstitel Professor verliehen.

 

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