Hier kommt die Braut: Blutige Hochzeitsnacht für Samara Weaving  

© Centfox

Kino
09/25/2019

Filmstarts der Woche: Bis der Tod uns scheidet – mit Schusswaffen

Filmkritiken: Blutige Hochzeitsnacht in "Ready or Not", blutige Sonnwendfeier in "Midsommar", Alien-Besuch bei "Shaun das Schaf" und Nurejew-Porträt.

von Alexandra Seibel

Schon Alfred Hitchcock wusste, dass im Herzen der romantischen Liebe oft der Tod lauert. In seinem Thriller „Verdacht“ von 1941 beispielsweise weiß die Ehefrau bis zum Schluss nicht, ob ihr Mann – der schöne Cary Grant – sie umarmt, weil er sie so liebt oder weil er sie eigentlich abkrageln will.

Die Ehe als tödliche Verbindung, Familienbande als fesselnde Falle – vor allem für Frauen – hat das Kino schon zu vielen Melodramen mit kriminalistischen Untertönen inspiriert. In „Ready or Not“ wächst sich die romantische Ambivalenz zum manifesten Horrorszenario aus.

Eine junge Braut namens Grace will sich gerade mit ihrem frischgebackenen Ehemann aufs Bett werfen, als sie plötzlich zu einem Spieleabend im Kreis der Familie abkommandiert wird. Grace hat in einen Clan von Superreichen eingeheiratet, der in einem Schloss residiert. Nun soll im Salon ein Spieleritual stattfinden, das jedes neue Familienmitglied über sich ergehen lassen muss.

So hat sich Grace ihre Hochzeitsnacht nicht vorgestellt. Sie zieht eine Karte, auf der „Versteckerln spielen“ steht. Also versteckt sie sich. Es dauert eine Weile, bis ihr klar wird, dass tödliche Jagd auf sie gemacht wird.

Schocker

Regie dieser explosiven Mischung aus Horror, Splatter und Komödie führten Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett, die beide einem Low-Budget-Trio entstammen, das sich Radio Silence nennt.

Radio Silence ist bekannt für effektvolle Film-Schocker und hat auch dem „Hier kommt die Braut“-Genre Grimmiges hinzuzufügen. Und zwar nicht nur treffsicher inszenierte Grusel-Gustostücke, sondern auch die tiefschwarz-satirische Demontage einer gesellschaftlichen Elite von Superreichen und deren albernem Familien-Fetisch. Sparsam und elegant setzen die Regisseure ihre Blutrunst-Effekte ein.

Ab und zu rollt ein Kopf oder sprudelt eine Blutfontäne aus Schusswunden. Wenn ein Dienstmädchen anstelle der flüchtigen Grace erlegt wird, zuckt der Familien-Clan nur mit den Schultern; besonders witzig ist Andie MacDowell als gütige Matriarchin mit Mordlust.

Grace wird der Traum von Ehe und und Familie gründlich ausgetrieben: Kalter Humor und hitzige Verfolgungsjagden halten sich bestens die Waage und liefern ihre klassenkämpferische, feministisch angehauchte Gesellschaftskritik gleich mit. Lust auf Heiraten? Alter, nein danke.

INFO: USA 2019. 95 Min. Von Matt Bettinelli-Olpin, Tyler Gillett. Mit Samarna Weaver, Andie MacDowell.

Filmkritik zu "Midsommar": Volksfest als Horrortrip

Ein Paar reist mit Freunden nach Schweden, um dort an einem abgelegenen Ort mit Einheimischen die Sommersonnenwende zu feiern. Sie werden Teil der altertümlichen Rituale, die  schnell aus dem Ruder laufen, genauso wie die Beziehung der beiden.

Dabei geht es Regisseur Ari Aster, dessen Horror-Debütfilm „Hereditary“ für Aufsehen sorgte,   keineswegs nur darum, die Zuschauer mit plumpen Schauerszenen in Angst und Schrecken zu versetzen. Er inszeniert so etwas wie Orgien-Mysterien-Spiele: Tierschlachtungen mit  viel Blut, das nicht als Schüttbild auf den Leinwänden von Nitsch landet, sondern als Horrorschocker auf der Kinoleinwand.

Im Mittelpunkt stehen der Anthropologie-Student Christian und seine Freundin Dani. Zusammen mit Freunden reisen sie nach Schweden, um  das Midsommar-Fest zu begehen. Ein Fest der Sommersonnenwende, das von der Dorfgemeinschaft   nur alle 90 Jahre gefeiert wird  und sich schnell als absoluter Horrortrip entpuppt.

Ari Aster schafft es,   extremes Unbehagen hervorzurufen – durch Kameraeinstellungen, die eine unverkennbare Ähnlichkeit zu denen Kubricks in  „The Shining“ aufweisen. Auch arbeitet er   mit  Bildverzerrungen, die aber so gering ausfallen, dass man am eigenen Sehvermögen zweifelt. Achtung also vor Schwindelgefühlen beim Verlassen des Kinos.

Text: Gabriele Flossmann

 INFO: USA/SWE/HUN 2019. 147 Min. Von Ari Aster. Mit Florence Pugh, Jack Reynor.

Filmkritik zu "Shaun das Schaf 2: UFO-Alarm": Alien-Mädchen landet auf Bauernhof

Das hätte sich Steven Spielberg wahrscheinlich nicht träumen lassen, dass es einmal eine Art Remake von seinem   „E.T. – Der Außerirdische“ mit Schafen geben wird. Doch genau dieser Vorlage hat sich das  Regie-Debütanten-Duo Richard Phelan und Will Becher bedient, um dem berühmte Schaf Shaun und seinem schiefen Grinser eine Kinofortsetzung (von „Shaun das Schaf – Der Film“) zu garantieren.


Und wie immer geben Stop-Motion-Technik und Knetmasse    den legendären Bauernhofbewohnern aus dem „Wallace & Gromit“-Studio Aardman Animation ihren  charmanten,  handgemachten Look.  Das Abenteuer beginnt mit der Landung eines schlumpfblauen Alien-Mädchens mit rosa Schlappohren, das versehentlich auf der Erde gestrandet ist. Shaun ist hocherfreut über den außerirdischen Besuch, zumal er Hund Bitzer weitere Streiche spielen kann. Als allerdings in ganz Mossingham der UFO-Rausch ausbricht und Jagd auf das kleine Alien gemacht wird, tun sich Shaun und Bitzer zu ihrer Unterstützung zusammen.

In einem  Rundumschlag werden zahllose Referenzen zu Science-Fiction-Filmen – von „2001“ bis „Akte X“ – zu einer hektischen, parodistischen  Thriller-Handlung zusammengerührt. Der Witz verdankt sich  aber, wie immer bei Aardman,  einfallsreichen Details und viel britisch-trockenem Humor.

INFO: GB/F/USA 2019. Von Richard Phelan und Will Becher.

Filmkritik zu "Nurejew - The White Crow": Ballettstar auf dem Sprung in den Westen

Besonders sympathisch war Rudolf Nurejew offenbar nicht. Der russische Balletttänzer macht nicht nur durch   Talent, sondern auch durch  egozentrisches und rücksichtsloses Auftreten von sich Reden; das Wort „Entschuldigung“  kennt er nicht. Er sei „wie ein wildes Tier“, sagt der Tanzlehrer über seinen  Schüler. Der Lehrer  spricht  in  astreinem Russisch und wird von Ralph Fiennes gespielt, der mit dem gepflegten Bio-Pic „Nurejew“ seinen dritten Spielfilm liefert.

Zentraler Schauplatz ist Paris  1961, wo das Leningrader Kirow-Ballett erstmals im Westen auftritt. Der junge Nurejew steht kurz vor seinem Durchbruch und macht seine russischen Aufpasser durch sein rebellisches Verhalten wahnsinnig. Er treibt sich in Museen herum, geht abends lange aus und führt ein abwechslungsreiches Liebesleben mit Männern und Frauen.
  Beim Tanz gehe es darum, Bewegungen miteinander zu verbinden, heißt es einmal, und genau das gelingt Fiennes als Regisseur nicht.  Sein Tänzer-Porträt –  mit schönen Ballettsequenzen und   zahllosen Rückblenden – zerfällt in seine  Einzelteile, ohne je ein   zwingendes Ganzes zu ergeben. 

INFO: GB/F/SER 2018. 127 Min. Von und mit Ralph Fiennes. Mit Oleg Ivenko.

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