Kultur
18.04.2018

Filmkritik zu "The 15:17 to Paris": Kids und Guns, kein Problem

Clint Eastwoods bizarre Zug-Attentats-Verfilmung mit Laien, die sich selbst spielen.

Clint Eastwoods neuer „Thriller“ zählt zum Schrägsten, was sich der Altmeister –mittlerweile 87 – in dieser Dekade geleistet hat. Nicht genug, dass seine Verfilmung eines im August 2015 versuchten Terror-Anschlages auf einen Zug Richtung Paris auf wahren Tatsachen beruht. Nein, Eastwood lässt auch noch die drei Amerikaner (zwei davon Militärs), die den Anschlag vereitelten, ihre eigene Geschichte nachspielen. Mit dem bizarren Effekt, dass sein Film an eine etwas mau gespielte Real-TV-Sendung erinnert, die über weite Strecken ihre Mitspieler dabei beobachtet, wie sie Europaurlaub machen und abends ein Bierchen zwitschern.

Die dramatischen Ereignisse selbst – die Überwältigung des Terroristen – handelt Eastwood in wenigen Spielminuten ab. Umso mehr konzentriert er sich auf die Vorgeschichten der Helden: Schon als Buben befreundet, fallen die drei durch schulisches Fehlverhalten auf. Vor allem Spencer Stone zeigt große Liebe zu Schusswaffen, was andere Regisseure vielleicht als ambivalente Leidenschaft inszenieren würden. Nicht so Eastwood: Kids und Guns, kein Problem. Man sieht ja, wofür der früh geübte Umgang mit der Feuerwaffe gut sein kann. Und für Stone bedeutet das Wort „Krieg“ ohnehin ausschließlich: „To help people“. Am Ende verteilt Präsident Hollande dann die Ehrenmedaillen. Was täten die Franzosen ohne Amerikaner.

INFO: USA 2018. 94 Min. Von Clint Eastwood. Mit Spencer Stone, Anthony Sadler, Alek Skarlatos.