Kultur
19.06.2018

Filmkritik zu "Ocean’s 8": Damenwahl

Anstelle der Männer, geht nun eine weibliche All-Star-Bande auf Juwelenraub.

Erst kamen die Männer dran, jetzt sind die Frauen an der Reihe: Hollywood schwelgt in der weiblichen Nachbesetzung von Erfolgsfilmen mit Männern. Zwar rief das „Ghostbusters“-Reboot in Lady-Format im Jahr 2016 eine Hasswelle unter den Fans hervor; trotzdem geht die Damenwahl munter weiter. Nun werden auch die Meisterdiebe von Danny Ocean einer Geschlechterumwandlung unterzogen.

Steven Soderbergh hatte mit seinem ersten Ensemble-Thriller „ Ocean’s Eleven“ (2001) das Original von 1960 entstaubt, in dem Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Jr. als Gentlemen-Einbrecher in Aktion traten. In seinem Remake strahlten George Clooney und Brad Pitt so viel kriminelle Eleganz aus, dass sie noch für zwei weitere Fortsetzungen („Ocean’s Twelve“ und „Ocean’s Thirteen“) ausreichte.

Ocean’s 8“ eröffnet nun eine Spin-off-Runde in weiblicher Top-Besetzung. Clooney und Pitt wurden durch Sandra Bullock und Cate Blanchett ersetzt. Unterstützt werden die beiden Drahtzieherinnen von weiblichen Fachkräften für Juwelenraub, darunter Stars wie Rihanna und Helena Bonham Carter.

Nun ist Regisseur Gary Ross („Die Tribute von Panem“) zwar nicht Steven Soderbergh, doch zumindest einen naheliegenden Verdacht hat er bestätigt: Frauen können ihre Rollen genauso gut spielen wie Männer. Und: Ihre Filme können auch genauso schlecht sein wie die von Männern.

Nun ist „Oceans’s 8“ kein richtig schlechter Film, dafür aber über weite Strecken überraschend unterhaltungsarm. Was beinahe noch schlimmer scheint in Anbetracht der Tatsache, dass eine Gruppe interessanter, schöner und talentierter Frauen wenig anderes zu tun bekommt, als schicke Sonnenbrillen und Armbanduhren durchs Bild zu tragen.

Es stimmt schon, dass auch bei Soderbergh elegante Oberflächen die Filme dominierten und Teil des Spaßes ausmachten. Doch in „Ocean’s 8“ haben der offen angestrebte Beauty-Kult und die endlose Fetischisierung von perfekten Körpern in teuren Marken-Kleidern unterhöhlende Wirkung. Anstelle von lässiger Eleganz tritt angestrengtes Schönheit-Muss.

Superklau

Sandra Bullock ist Debbie Ocean, Schwester des (mutmaßlich) verstorbenen Danny Ocean (Clooney) und Mastermind eines Juwelendiebstahls, der als größter Raub der Geschichte Furore machen soll. Gleichzeitig möchte sie sich an einem Ex-Liebhaber für Verrat und fünf Jahre Gefängnis rächen.

Ihre Partnerin in crime ist Cate Blanchett. Zwar sollte sich zwischen den Ladys so etwas wie prickelnde Chemie einstellen, doch kommt sie in Gary Ross’ abgehackter Regie so gut wie nicht zustande, weil er den Schauspielerinnen kaum Platz dafür lässt. Auch der sorgfältig choreografierte Überfall auf die Party-Gäste im Metropolitan-Museum verläuft derartig reibungslos, dass der Superklau komplett spannungsfrei vorüberzieht.

Immerhin können zur Abwechslung acht gewitzte Damen beweisen, dass sie zum perfekten Juwelenraub imstande sind. Vielleicht haben wir ja Vorbildwirkung für andere Frauen, überlegt Debbie Ocean an einer Stelle. Eine blendende Idee, die sich auch die Industrie zu Herzen nehmen sollte. Denn mehr Filme mit Frauen in den Hauptrollen verbessert die Chance, dass auch wirklich gute Filme darunter sind. Das hat schon „Superwoman“ bewiesen.