Der ehemalige Stuntman Simu Liu weiß, wie eine gute Actionszene funktioniert: „Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“

© Courtesy of Marvel Studios

Filmstarts
09/02/2021

Filmkritik zu Marvels "Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings: "Harte Handkante"

Marvels neuer Superheldenfilm hat erstmals einen asiatischen Titelhelden, eine Sandlerin hilft einem Kind, Heimat zwischen Wien und China und ein Schwein namens "Gunda"

von Alexandra Seibel

Und wieder liefert das Marvel Cinematic Universe (MCU) einen Meilenstein seiner Produktionsgeschichte.

In der neuen Ära der großen Comicverfilmungen präsentierte es mit „Black Panther“ erstmals einen schwarzen Superhelden in der Titelrolle. Dann übernahm in „Captain Marvel“ eine Frau die Führung im Franchise. Und nun gibt es die Premiere eines asiatischen Helden in der Hauptrolle, unterstützt von einer weitgehend chinesischen Besetzung.

Doch nicht nur wegen seiner Diversitätsfreudigkeit darf sich Marvel auf die Schulter klopfen. Tatsächlich sorgt „Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“ für durchgehend hohen Unterhaltungswert. Die Action ist rasant, die Martial-Arts-Sequenzen superb choreografiert, die etwas schwerfällige Familiengeschichte seelenvoll erzählt und mit gutem Witz aufgelockert.

Wer die schlagfertige Rapperin Awkwafina als komischen Sidekick zur Stelle hat, kann kaum fehlgehen.

Aber auch Simu Liu, ein chinesisch-kanadischer Schauspieler und ehemaliger Stuntman, hat nicht nur das Zeug zum dramatischen Titelhelden Shang-Chin. Er liefert reale Stunts und schlägt gekonnt mit harter Handkante seine Gegner in die Flucht.

Regisseur Destin Daniel Cretton ließ sich in seiner Inszenierung von den besten Qualitäten des Hongkong-Kinos und seinen schwerelosen Kung-Fu-Kämpfen inspirieren. Wie in einem tödlichen Ballett bewegen sich Gegner und Gegnerinnen aufeinander zu, heben vom Boden ab, überwinden die Schwerkraft und wirbeln durch die Lüfte. Zwischen einem frenetisch schnellen Schlagabtausch und traumtänzerischer Zeitlupe entfalten sich hier atemberaubende Kampfszene.

Zudem holte sich Cretton die Unterstützung von den größten Stars des asiatischen Kinos. Tony Leung zum Beispiel, der im europäischen Arthouse-Film vor allem in den Werken von Wong Kar-wei seine charismatischen Schatten warf. Tony Leung, der Humphrey Bogart der Hongkong-Melodramen, bannt mit seinem melancholischen Blick auch das Marvel Universum.

Mandarin

In „Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“ nennt er sich Mandarin, ist bereits über 1.000 Jahre alt und im Besitz von magischen Ringen, die ihm höchste Macht garantieren.

Dass auch Shang-Chi mit Superpower ausgestattet ist, erkennt man nicht gleich. Er hat seinen Namen geändert, nennt sich Shaun, wohnt in San Francisco und wirkt auf den ersten Blick wie ein unauffälliger Hotelangestellter. Gemeinsam mit seiner besten Freundin Katy (Awkwafina) parkt er die Autos reicher Gäste und führt ein bescheidenes Leben.

Erst als Shaun mit Katy in einem Bus von einer Gruppe wüster Schläger überfallen wird, zeigt er sein wahres Gesicht. In bester Kung-Fu-Manier zerlegt er sowohl Angreifer wie auch Fahrzeug. Danach ist es vorbei mit dem biederen Hoteljob.

Eine düstere Familiengeschichte bricht über Shang-Chin herein. Sie führt ihn und seine Begleiter in ein magisches Dorf, in dem seltsame Fabelwesen leben, wie man sie aus dem MCU weniger gewohnt ist.

Fliegende Drachen, kuschelige Pelzkugeln mit Hühnerflügeln und bunte, pferdeähnliche Vierbeiner bevölkern eine kunstvoll computergenerierte Fantasywelt. Dazwischen aber findet sich immer wieder genügend Platz für exzellente, handgemachte Action. Und dass man nach Ende des Films bis nach dem Abspann im Kino sitzen bleiben muss, um einen kurzen Blick in die Zukunft des Franchise werfen zu können, muss wohl nicht extra erwähnt werden.

INFO: USA/AUS 2021. 132 Min. Von Destin Daniel Cretton. Mit Simu Liu, Awkwafina, Tony Leung

Filmkritik zu "Unter den Sternen von Paris": Sandlerin als Helferin

Wer unter den Sternen von Paris lebt, ist obdachlos. Das weiß man spätestens aus Leos Carax’ „Die Liebenden vom Pont-Neuf“, in dem Juliette Binoche und Denis Lavant am Ufer der Seine hausten.

Auch Catherine Frot, hierzulande vielleicht etwas weniger bekannt als in ihrer französischen Heimat, hat dort Unterschlupf gefunden. Mit rosigen Wangen und überzeugender Zerbrechlichkeit spielt sie eine Obdachlose, die  einen afrikanischen Flüchtlingsbuben trifft und ihm hilft,seine verlorene Mutter zu suchen.

Die Berechenbarkeit seiner Geschichte macht der in Deutschland geborene Regisseur Claus Drexel mit  beinahe schon dokumentarischen  Beobachtungen von Pariser Zeltstädten an  Autobahnen und in Unterführungen wett. Dort hausen Obdachlose und Flüchtlinge unter dramatischen Bedingungen. Märchenhafte Elemente und auch eine gewisse Komik entschärfen die  schmerzliche Geschichte und tauchen sie in einen optimistischen Glanz von charmanter Menschlichkeit.

INFO: F/BEL 2020. 86 Min. Von Claus Drexel. Mit Catherine Frot, Mahamadou Yaffa
 

Filmkritik zu "Gunda": Kein Schweinchen namens Babe

Gunda ist kein Schweinchen namens Babe, das mit heller Stimme zu uns spricht und uns sagt, wie es sich fühlt. Gunda ist ein norwegisches Hausschwein und hat gerade ein Dutzend Ferkel geworfen. Quietschend und grunzend grabbeln die kleinen Schweinchen durch das  Heu und kämpfen verbissen um ihren Platz an der Milchquelle. Gunda liegt schnaubend dazwischen – bis sie mit ihrem Huf ein Machtwort spricht.

In glasklarem Schwarzweiß hat der russische Dokumentarist Viktor Kossakovsky das Leben von „Nutztieren“ auf dem Bauernhof aufgezeichnet. Gunda und ihre Großfamilie stehen  im  Mittelpunkt, aber auch (einbeinige) Hühner und gebieterische Kühe übernehmen tragende Rollen.

Die Tiere und ihr Verhalten werden  von Kossakovsky weder verniedlicht noch vermenschlicht, sondern in ihrer wunderbaren Originalität beobachtet. Menschen bleiben unsichtbar, doch ihre tödliche Macht  über Gunda und ihre Welt ist unheimlich spürbar.

INFO: USA/Norwegen 2020. 93 Minuten. Von Viktor Kossakovsky. Mit Gunda.

Filmkritik zu "Weiyena – Ein Heimatfilm": Zwischen China und Wien

Die Eltern wanderten von Peking nach Österreich aus und nannten ihre Tochter Weiyena – das chinesische Wort für Wien. Heute ist die Tochter erwachsen und lebt in Wien, aber die Geschichte ihrer Familie liegt in Peking und Shanghai und ist eng mit der  Kulturrevolution verstrickt.
Gemeinsam mit Judith Benedikt ist Weina Zhao  die Regisseurin  dieser sehr persönlichen Doku, und reiste nach China, um dort nach Spuren der schmerzhaften familiären  Vergangenheit  zu suchen. In behutsamen Interviews mit Eltern und Großeltern werden traumatische Erlebnisse wie Verfolgung und Haft unter Maos kommunistischem Regime erinnert. Aus dem Off reflektiert Weina Zhao  ihre Gefühle, die sie im Umgang mit der Familiengeschichte  beschäftigen und Fragen nach der eigenen Identität aufwerfen. Feinfühliges, überaus sehenswertes Generationenporträt.

INFO: Ö 2020. 96 Min. Von Weina Zhao und Judith Benedikt. Mit Weina Zhao

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