Kultur
10.10.2018

Filmkritik zu "Smallfoot": Bruchpilot als Beweismaterial

Ein flauschiger Yeti will seinem Bergdorf beweisen, dass es auch Lebewesen mit kleinen Füßen - also Menschen - gibt.

Natürlich gibt es Yetis. Sie sehen aus wie ein Fell-Moonboot von Hansi Hinterseer, nur viel größer. Und sie singen auch.

Wohnhaft sind die zahmen Zottelböcke auf den Spitzen des Himalaya-Gebirges und führen dort ein beschauliches Leben. Was ihre Schuhgröße betrifft, haben die riesigen Yetis eindeutig einen „Bigfoot“. Daraus ergibt sich eine Frage, die die smarteren unter ihnen schon länger beschäftigt, nämlich: Gibt es auch so etwas wie einen „ Smallfoot“ (in anderen Weltgegenden umgangssprachlich auch „Mensch“ genannt)?

Laut offizieller Yeti-Ideologie gibt es ihn nicht.

Smallfoot“ sei nur ein Ammenmärchen, um kleine Yetis zu erschrecken, behauptet der Dorfälteste. Und als der junge Migo, ein freundlicher Fellriese, auf einen menschlichen Bruchpiloten stößt und anhand dessen winzigen Fußes einen echten „Smallfoot“ erkennt, glaubt ihm keiner. Schlimmer noch, er wird aus der Dorfgemeinschaft verstoßen. Der Rest der Geschichte handelt davon, wie Migo beweist, dass es doch Menschen gibt. Er fällt den Berg hinunter, trifft auf ein Dorf und findet dort ein kreischendes Menschlein, das er als Beweismaterial mit nach oben nimmt. Dabei leben der visuelle Witz und der verspielte Slapstick dieser kinderfreundlichen Animation, zu deren ausführenden Produzenten auch „The LEGO Movie“-Visionäre Phil Lord und Christopher Miller zählen, im klischeeverkehrten Detail.

Nicht nur der Mensch ist angesichts des Fellmonsters zu Tode erschrocken, auch der Yeti weiß nicht so recht, was er mit dem hysterisch piepsenden Kleinfüßler anfangen soll. Als dieser nach längerer Schneewanderung stocksteif gefroren ist, will er ihn an einem Stock über dem Feuer wärmen und wundert sich über dessen wildes Gebrüll. Und dass auch schon bei der kleinsten, nett gemeinten Yeti-Berührung dem Menschen ein Zahn aus dem Mund springt, kommt für Migo überraschend.

Sing-Sang

Leider hat sich das Regie-Duett Karey Kirkpatrick („Ab durch die Hecke“) und Jason Reisig – offensichtlich von Disney inspiriert – zu verzichtbaren Musical-Einlagen hinreißen lassen. Der verwechselbare Sing-Sang der Yetis hinterlässt wenig Eindruck, sieht man von einer beschwingten Rap-Einlage des steinigen Dorfältesten ab.

Dafür hat man selten eine so toll animierte Behaarung wie jene der Yetis gesehen. Vor allem vor dem monochronen Hintergrund der weißen Schneelandschaft erscheinen die unterschiedlichen Weiß-grau-Farbtöne der flauschigen Fellträger umso inspirierter. Und zu guter Letzt ist auch die Frohbotschaft, dass man sich in die...äh... Schuhgröße des jeweils anderen hineindenken soll und kann, geradezu herzerwärmend.

INFO: USA 2018. 96 Min. Von Karey Kirkpatrick, Jason Reisig. Stimmen: Kostja Ullmann, Aylin Tezel.