Marie Rathscheck ist "Das melancholische Mädchen"

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Kultur
06/27/2019

Filmkritik zu "Das melancholische Mädchen": Märchenprinz in der Badewanne

Gewitzte, episodenhafte Erzählung von einer jungen Frau, die lakonisch durch die neo-liberale Gesellschaft stapft.

von Alexandra Seibel

Dem melancholischen Mädchen passiert nichts. Die Katastrophe ist schon vorbei. Es gibt keine Katharsis und keine Bewegung. Es gibt nur einen Zustand. Und dann ist der Film vorbei – so heißt es gleich zu Beginn, denn die Berliner Filmemacherin Susanne Heinrich hat einen völlig eigensinnigen Humor. Ihre lakonische Anti-Heldin, das melancholische Mädchen, stapft in Mantel und Stiefel durch unsere „post-erotischen Zeiten“, setzt sich zu Märchenprinzen in die Badewanne und leidet an einer Schreibblockade. Nachdem sie gerade keine Wohnung hat, übernachtet sie bei seltsamen Männern, hat manchmal Sex, manchmal auch nicht und kommentiert mit emotionstoter Stimme unsere neoliberale Gesellschaft.

In 15 skurrilen Episoden variiert Heinrich souverän ihren witzigen Erzählstil: Es gibt unterkühlte Settings in Bars und Clubs, Animationen, theaterhafte Begegnungen, Musical-Einlagen oder Mutter-Kind-Turnen. Am Ende wird Eis gegessen. Wie angekündigt, passiert dem melancholischen Mädchen nichts. Und dann ist der Film vorbei.

INFO: D 2019. 80 Min. Von Susanne Heinrich. Mit Marie Rathscheck, Nicolai Borger.