Ein Vater sucht seinen radikalisierten Sohn: "Kein Weg zurück"

Muslimische Männer beten.
Ein dänischer Vater sucht seinen radikalisierten Sohn bei den IS-Milizen: „Kein Weg zurück“.

Was macht ein dänisches Milchbubi namens Adam bei den Dschihadisten in Syrien? Das möchte auch sein Vater wissen und begibt sich auf die Suche nach seinem verlorenen Sohn. Der noch nicht einmal 18-jährige Teenager hat sich einer islamistischen Gruppierung angeschlossen und ist inmitten des syrischen Bürgerkriegs verschwunden.

In ihrem zügig inszenierten Kriegsdrama greift die dänische Regisseurin Charlotte Sieling eine Frage auf, die viele europäische Haushalte beschäftigt, deren Kinder sich radikalisierten und als Dschihadisten im Nahen Osten zu den Waffen griffen. Allerdings vermeidet sie tiefgreifende, psychologische Erklärungen und deutet Beweggründe nur skizzenhaft an. Stattdessen verschiebt sie die Frage nach dem Warum hin zu der Frage: Wie damit umgehen?

Der besorgte Vater gibt sich als gläubiger Muslim aus und lässt sich von der Freien Syrischen Armee im Kampf gegen das Assad-Regime anheuern. Zuerst wird er von den anderen Kämpfern belächelt und auf seine Koran-Festigkeit überprüft: „Du bist alt und siehst aus wie ein Spion“, stellt einer der Gotteskrieger misstrauisch fest. Als sich Christian jedoch als fachkundiger Schütze mit eindrucksvollen Arabischkenntnissen erweist – tatsächlich ist er ein dänischer Ex-Soldat mit Kriegserfahrung aus Einsätzen im Irak und Afghanistan – kann er sich schnell Respekt verschaffen. Umso mehr, als andere europäische Konvertiten in Turnschuhen Richtung Front stolpern. Doch die Lage wird schnell unübersichtlich. Rivalisierende Gruppen sind in brutale Gefechte miteinander verstrickt. Und sein Sohn, wie Christian schließlich erfährt, hat sich den grausamen IS-Milizen angeschlossen.

Gelernter Soldat

Christian, der gelernte Soldat, ist Krieg gewohnt. Er verhält sich umsichtig in Häuserkämpfen und kann, wenn es sein muss, einen vermeintlichen Gegner per Kopfschuss exekutieren.

Albert Rudbeck und Nikolaj Lie Kaas.

Vater-Sohn-Konflikt: Albert Rudbeck (li.) und Nikolaj Lie Kaas in "Kein Weg zurück".

Sieling schreckt dabei weder vor Kriegssequenzen, noch vor brutalen Tötungsszenarien vor schwarzen IS-Fahnen zurück. Der dänische Starschauspieler Nikolaj Lie Kaas – derzeit gerade an der Seite von Mads Mikkelsen in „Therapie für Wikinger“ im Kino zu sehen – überzeugt sowohl als geübter Soldat im Nahkampf, als auch als gequälter Vater.

Immer wieder aber zieht sich die Kamera von ihren forschenden Blicken in die Gesichter einer brutalisierten Männergesellschaft zurück und gibt die Aussicht frei auf eine karge Landschaft, in der die Menschen nur als kleine, ratlose Punkte übrig bleiben.

INFO: DK/NOR 2024. 97 Min. Von Charlotte Sieling. Mit Nikolaj Lie Kaas, Albert Rudbeck.

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