Enid Blytons „Der Wunderweltenbaum“: Tomaten anbauen mit mürrischen Großmüttern
Fantastische Bewohner in „Der Wunderweltenbaum“.
Von Gabriele Flossmann
Es mutet irgendwie seltsam an, über einen Spielfilm zu schreiben, der zwar für die Jugend gedacht ist, dessen größte Fangemeinde aber höchstwahrscheinlich unter den Senioren zu finden ist. In einer Altersklasse, die vielleicht gerade an der Schwelle zur sogenannten „zweiten Kindheit“ steht. Denn der Film basiert auf einem Klassiker, der in den 1940er-Jahren seinen Siegeszug auf die internationalen Bestsellerlisten begann: auf der beliebten Kinderbuchreihe „Der Zauberbaum“, geschrieben von einer der meistverkauften Autorinnen der Weltliteratur: Enid Blyton.
Zum ersten Mal kommt nun eines ihrer Werke auf die große Kinoleinwand - mit dem Versuch, ihr einen modernen Anstrich zu geben und damit auch für das heutige Publikum attraktiv zu machen. Entstanden ist ein Familienfilm mit gelungenen visuellen Effekten und unbestreitbar süßen Botschaften über Kindheit und die Bedeutung der Familie. Doch es fehlt ihm das gewisse Etwas, um daraus auch einen modernen Fantasy–Pflichtfilm für alle Altersgruppen zu machen.
Im Mittelpunkt steht das Ehepaar Thompson, das mit seinen drei Kindern Fran, Beth und Joe aufs englische Land zieht. Dort heißt es: Handys abgeben und hinaus in die Natur. Fernab von einem funktionierenden Internet soll die Familie die Chance bekommen, um dort wieder zusammenzuwachsen und der modernen Welt mit ihren technischen Spielereien zu entfliehen.
Diese Neuinterpretation von Blytons beliebter Märchenwunderwelt wird die Fans begeistern - aber möglicherweise auch enttäuschen. Weil Änderungen an Figuren wie die Wunderweltenbaumbewohner „Moonface“ oder „Silky“ auch in falsche Kehlen geraten könnten. Außerdem hätten sich Blyton–Fans sicher gewünscht, mehr Zeit in der fantastischen Welt zu verbringen, anstatt immer wieder in die weitaus weniger interessante „reale Welt“ zurückgeworfen zu werden, in der der Anbau von Tomaten und der Umgang mit mürrischen Großmüttern zu sehr in den Vordergrund rücken.
Trotzdem ist aus dem Ganzen ein sympathisch unschuldiger Film geworden, fast so, als käme er aus einer längst vergangenen Zeit, als Familienfilme noch wirklich Familienfilme waren. Er wird wohl kaum viele neue Fans für die Marke Enid Blyton gewinnen, aber die bestehenden Fans zufriedenstellen. Ihm fehlt etwas von der übernatürlichen Substanz, die sein Titel verspricht, auch wenn er mit professioneller Aufbereitung eine durchaus nette Abwechslung bietet.
INFO: USA/F 2026. 110 Min. Von Ben Gregor. Mit Andrew Garfield, Claire Foy.
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