Gut gelaunt im All: Ryan Gosling auf Weltrettungsmission
Redet mit einem Stein namens Rocky: Ryan Gosling im All.
Von Gabriele Flossmann
Dieser neue Blockbuster rund um einen unfreiwilligen Astronauten, der – nicht minder unfreiwillig – die Menschheit rettet, dauert über zweieinhalb Stunden und ist dabei durchgehend unterhaltsam.
Im Mittelpunkt steht ein einsamer Wissenschaftler namens Ryland Grace, gespielt von Ryan Gosling. Zu Beginn des Films können wir ihm dabei zusehen, wie er langsam aufwacht. Eine nicht näher definierte Zeit im Koma hat seine Muskulatur erschlaffen, den Bart und das Haupthaar wachsen lassen. Er windet und streckt sich, als würde er wiedergeboren. Mühsam klettert er durch ein riesiges Raumschiff, wo er zwei weitere Gestalten entdeckt. Eine Frau und einen Mann. Beim näheren Hinsehen merkt er: Sie werden nicht mehr aufwachen.
Erst allmählich erinnert er sich, wer die beiden Toten sind – und daran, dass er Biologe ist. Und dass von einer schlagfertigen Frau – geradezu unwiderstehlich gespielt von Sandra Hüller – für das titelgebende Projekt „Hail Mary“ rekrutiert wurde. Er soll ein Mittel gegen außerirdische Mikroben (er)finden, sogenannte „Astrophagen“, die jede Sonnenstrahlung verschlingen, wodurch die Erde bald zu kalt für Leben sein wird.
Rylands Aufgabe ist es, herauszufinden, warum ein bestimmter Planet von den Astrophagen verschont bleibt. Des Rätsels Lösung soll er zur Erde schicken, auch wenn er selbst nicht zurückkehren kann, weil dafür der Treibstoff für sein Raumschiff nicht reichen würde.
Kein Marsianer
Man könnte nun meinen, dass Ryland – wie vor ihm bereits Matt Damon als „Marsianer“ – den ganzen Film allein verbringen muss, und seine Reise ins Unbekannte nur in einem Vlog festhalten kann. Im Gegensatz zu Matt Damon redet Ryan Gosling aber nicht gegen die Wand (seines Raumschiffs etwa), sondern gegen einen Stein: Ein Alien aus krabbenartig geformten Steinklumpen, den der Planet eines anderen Sonnensystems mit derselben Mission ins All entsandt hatte, wird zu seinem Verbündeten.
Der gut gelaunte Rocky, wie Ryland ihn nennt, baut einen Korridor zwischen den beiden Raumschiffen, und Ryland lernt, über seinen Computer mit ihm zu kommunizieren.
In den Händen eines weniger talentierten Schauspielers hätte der Plot leicht ins Lächerliche kippen können, doch Gosling hält die Handlung mit seinem Witz und Ironie (ganz zu schweigen von seinem feinen Gespür für Slapstick) in Schwung. Auch wenn der Film in die Rührseligkeit mäandert und den Zuschauern auch noch haargenau vorschreiben will, was sie in jeder Millisekunde zu fühlen haben.
Die Macher des „Lego Movie“
Wie bereits angedeutet, ähnelt der Film dem „Marsianer“ in vielen Punkten. Ein wesentlicher Unterschied liegt aber darin, dass sich die Macher dieses Films für die unbeschwerte „Alles ist super“-Attitüde entschieden haben, die bereits ihren Erfolgshit „The Lego Movie“ auszeichnete. Er ist also überraschend unterhaltsam – trotz der allzu sehr in die Länge gezogenen Geschichte um das drohende Aussterben der Menschheit. Und er lebt von den Rückblenden, in denen Sandra Hüller ihre Stärken spielen lassen kann.
Sie erweist sich als ideale Gegenspielerin zu Ryan Gosling. Gemeinsam reichern sie diese Science-Fiction gleichermaßen mit einer geheimnisvollen Atmosphäre und einer emotionalen Tiefe an. Es gibt zum Beispiel eine wunderbare Szene, in der Sandra Hüller eine Karaoke-Version von „Sign of the Times“ zum Besten gibt. Sie besticht nicht nur durch ihre verletzliche Stimme, sondern auch dadurch, dass ihre finsteren Gesichtsausdrücke zu Beginn des Films diesen Lebensfunken umso heller erstrahlen lassen. Im Grunde ist „Project Hail Mary“ eine Buddy-Komödie – und eine bunte, kaleidoskopartige Sicht von einem Weltuntergang, wie wir ihn nur im Kino erleben können.
INFO: USA 2026. 156 Min. Von Phil Lord, Christopher Miller. Mit Ryan Gosling, Sandra Hüller.
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