"Crime 101" im Kino: Auf den nachtschwarzen Straßen von L. A.
Einatmen, ausatmen, aufstehen. Um 5 Uhr 20 am Morgen sind bereits einige Menschen in Los Angeles auf dem Weg zur Arbeit. Der Berufsdieb Mike, zum Beispiel; ein etwas heruntergekommener Polizist namens Lou; und die Versicherungsagentin Sharon. Sie alle werden im Umfeld des Highways 101 in Los Angeles aufeinandertreffen. Manche von ihnen mit gezückter Pistole.
Regisseur Bart Layton ist offensichtlich bei Michael Mann in die Schule gegangen und hat sich Thrillerklassiker wie „Heat“ zum Vorbild genommen. Aus der Vogelperspektive beobachtet er philosophisch die nächtlichen Autokolonnen, die sich mit rot glühenden Schlusslichtern über die nachtschwarze Stadtautobahn 101 wälzen. Seine urbanen Oberflächen sind auf glänzendes Neo-Noir poliert, seine Helden einsame Wölfe und Wölfinnen.
Chris Hemsworth spielt einen schicken Kriminellen, der mit viel System Juweliere bestiehlt. Sein Gegenspieler ist Mark Ruffalo als smarter, aber abgehalfterter Polizist Lou: Von seiner Ehefrau wurde er aus purer Fadesse verlassen, in seiner korrupten Polizeitruppe kann er sich nicht durchsetzen.
Und schließlich ist da noch Halle Berry als Sharon: Sie muss sich von ihrem arroganten Boss mitteilen lassen, dass sie im Alter von 53 jobmäßig leider auf der Abschussliste steht.
Aus Rache an ihrem Arbeitgeber lässt sich Sharon von Mike zu einem Betrug im großen Stil überreden – und gerät so an Lou. Alle drei – wiewohl auf verschiedenen Seiten des Gesetzes – wenden sich gegen ein System, in dem nur Reichtum und Erfolg den menschlichen Wert bestimmen. In seinem elegischen Rückgriff auf altmodische Thrillervorbilder verlässt sich Layton allzu sehr auf seine charismatische Starbesetzung, die er in etwas trägen, stark konventionell geprägten Handlungssträngen aufeinandertreffen lässt. Davon können auch ein paar rasante Actionszenen und der absurde Auftritt von Barry Keogh als durchgeknallter Motorrad-Dieb nicht ablenken.
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