"Wuthering Heights" mit Margot Robbie: Im Kostümrausch der Sinne

„Wuthering Heights“. Margot Robbie und Jacob Elordi verstricken sich in eine tödliche Leidenschaft in Emerald Fennells hitzigem Melodram.
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Als Emily Brontës Schauerroman „Sturmhöhe“ 1847 veröffentlicht wurde, war die Leserschaft schockiert. Die brutale Liebesgeschichte zwischen Catherine Earnshaw und dem Findelkind Heathcliff wurde als abstoßend empfunden. Ein Kritiker bezeichnete ihn als eine „Mischung aus vulgärer Verderbtheit und unnatürlichem Horror“, inspiriert von einem Mix aus „Brandy und Schießpulver“. 

Regisseurin Emerald Fennell („Promising Young Woman“, „Saltburn“) las den Roman mit 14 und ist, nach eigenen Aussagen, seitdem davon besessen. Dass „Sturmhöhe“ die Leserschaft geschockt hat, wundere sie gar nicht: „Es enthält eine große Menge an Sadomasochismus.“

Ein keuchender Mann

Shocking beginnt auch ihre Neuinterpretation von „Wuthering Heights“: Ein keuchender Mann hängt am Strick und bekommt im Augenblick seines nahenden Todes eine Erektion. Das Publikum gafft lüstern, darunter auch die noch junge Catherine. Gewalt, Lust und Tod liegen eng beieinander. Noch als kleiner Bub beweist Heathcliff seine Liebe zu Catherine, indem er an ihrer Stelle Prügel bezieht. Die vernarbten Striemen auf seinem Rücken werden zum Symbol des (sado-)masochistischen Begehrens.

Höchst effektvoll schmachten sich die Star-Schauspieler Margot Robbie („Barbie“) und „Frankenstein“-Außenseiter Jacob Elordi als Cathy und Heathcliff vor dem Hintergrund englischer Moorlandschaft an. Dabei inszeniert Fennell keinen üppigen Historienfilm im klassischen Sinn, sondern bleibt, trotz rauschender Kostüme und Schauerromantik, zitathaft. Dafür sorgt allein schon der Soundtrack von „Bratgirl“ Charlie XCX.

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Die Regisseurin fördert stattdessen alles zutage, was im Roman unterdrückt wird. Sex haben Cathy und Heathcliff bei Brontë nie, aber Fennell gönnt ihnen eine leidenschaftliche Affäre. Ob in der Kutsche, im strömenden Regen oder in den Ruinen des Gutshauses Wuthering Heights, Heathcliff und Catherine frönen ihrer Obsession – durchaus auch angefeuert durch die S/M-Rollenspiele, die sie heimlich beim Knecht und der Magd im Stall beobachtet haben. Auch spöttische Momente einer Sittenkomödie blitzen auf: Sie stellen sich ein, nachdem Catherine aus der Not den reichen Nachbarn geheiratet hat und ein Luxusleben zwischen Zwerghündchen und infantiler Schwägerin führt.

Das sind im Übrigen auch jene Szenen, in denen Robbie ihre besten Momente liefert. Als gewitzte Zeitgenossin überzeugt sie weit mehr als in der Rolle der leidenden Heroine des viktorianischen Zeitalters, für das sie immer zu modern und aufgeräumt wirkt. Jacob Elordi als Heathcliff hingegen lässt die brütende Stimmung der Leidenschaft wie eine dunkle Wolke über sein Gesicht ziehen und sieht „exakt so aus wie das Bild von Heathcliff auf dem ersten Buch, das ich gelesen habe“, so Fennell.

Doch schlagen weder die Wellen der Inbrunst überzeugend hoch genug, noch kommt es zur ironischen Brechung. Vielleicht aber passt ja gerade diese Kombination aus Elordis Melodram und Robbies Modernität zur Generation „Bridgerton“.

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