"Eugen Onegin" in Salzburg: Ein Luster als einzige Zierde

Szenisch reduziert, musikalisch packend: Tschaikowskis „Eugen Onegin“ am Salzburger Landestheater.
Ein Mann sitzt auf einem Stuhl vor einem großen Kronleuchter, im Hintergrund mehrere Personen mit dem Rücken zur Kamera.

Helmut Christian Mayer

Völlig weiß sind die Wände, seitlich von modernen Neon-Röhren beleuchtet. Weiße Gardinen werden mit wenigen Handgriffen von den Protagonisten hin und her geschoben und können so verschiedene Räume und Ebenen entstehen lassen, was anfänglich zu oft geschieht: So völlig unspektakulär und fast leergeräumt ist das Einheitsbühnenbild von Pjotr Iljitsch Tschaikowskis Oper „Eugen Onegin“ am Landestheater Salzburg.

Hier gibt es nur noch Platz für ein paar Stühle und Tische, auf denen auch das Duell stattfindet, sowie einen Kronleuchter im letzten Bild. Auf dieser sterilen, ja kalten Bühne von Philip Rubner, der es leider an jeglicher Poesie mangelt, und den zeitlos modernen Kostümen von Su Bühler, inszeniert Regisseurin Alexandra Liedtke die Oper, deren Libretto auf dem gleichnamigen Versroman von Alexander Puschkin basiert, sehr gediegen, aber immer gekonnt verständlich.

Verzicht auf Dekoration

Durch den fast völligen Verzicht auf Dekoration ergibt sich eine starke Konzentration auf die Handlung, die auch von zwei Tänzern verdoppelt wird. Dabei zeigt die Regisseurin, die auch Oberspielleiterin des Landestheaters ist, sehr plausibel und präzise, dass die handelnden Personen Realität und Fiktion nicht immer auseinanderhalten können.

Ihr steht dabei ein unverbraucht klingendes Ensemble zur Verfügung: Nicole Lubinger betört als Tatjana mit blühendem Sopran und feinen Zwischentönen. Virtuos gestaltet sind Phrasierung und Artikulation. Ihre Darstellung des verträumten Mädchens ist ebenso bewegend, wie die der selbstbewussten Ehefrau des Fürsten Gremin. George Humphreys verfügt als zuerst kalter und arroganter, später verzweifelter Titelheld über einen geschmeidigen, warmtimbrierten Bariton in allen Lagen.

Ein Tanzpaar, Ana Dorđević und Yannick Neuffer, spiegelt in ausgewählten Szenen das tragische Nicht-Liebespaar und demonstriert gekonnt tänzerisch meist hinter den Gardinen, wie es anders hätte sein können (Choreografie: Louis Stiens). Ilia Skvirskii, Mitglied des hiesigen Opernstudios, gefällt als hell timbrierter und höhensicherer Dichter Lenski.

Dynamisch und delikat

Tiefes Gefühl mit ihrem schönen Mezzosopran schenkt Therese Troyer der Figur der Olga. Daniele Macciantelli singt den Fürsten Gremin mit profundem, edeltimbrierten Bass. Auch die viele kleineren Rollen wie etwa Maria Bulgakova als Larina, Mona Akinola als Amme und Alexander Hüttner als Triquet, wie auch der meist präzise Chor des Hauses singen tadellos. Das Mozarteumorchester Salzburg unter Leslie Suganandarajah klingt nur selten zu laut, mit wenigen Intonationsmängeln bei der Cellogruppe, meist aber ausgefeilt opulent und so dynamisch wie delikat aufrauschend. Zündende Akzente und effektvolle Spannung sind ebenso zu vernehmen wie schwermütige, innige Lyrismen und herrlich aufblühende Kantilenen. Großer Jubel!

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