"Es ist Kunst und Sport zugleich"

Breakdance
Foto: Red Bull/Matthias Heschl Foad Ambelj aka Lil Zoo (vorne) überwindet die Schwerkraft.

Im Volkstheater treten Breakdancer aus ganz Österreich gegeneinander an. Lil Zoo ist Teil der Jury.

Das Volkstheater wird am Samstag seit Langem wieder einmal ausverkauft sein. Rund 1000 Freunde des Breakdance – eine in der Hip-Hop-Bewegung der 70er-Jahre geborene Tanzform – werden sich das Finale des Red Bull BC One Austria Cypher nicht entgehen lassen. Hinter diesem kryptisch klingenden Wettbewerb steckt die wichtigste österreichische Veranstaltung punkto Breakdance. Denn der oder die Gewinnerin kommt dem Weltfinale in Amsterdam nämlich einen großen Schritt näher.

Als Jury fungieren Größen aus dem Breakdance-Fach – darunter Foad Ambelj aka Lil Zoo. Der aus Casablanca (Marokko) stammende B-Boy (so nennen sich die männlichen Tänzer) lebt seit zwei Jahren in Innsbruck und übt diesen Sport bereits seit neun Jahren aus. Aber ist Breakdance überhaupt Sport? "Viele Breakdancer wollen nicht als Sportler, sondern als Künstler bezeichnet werden. Breakdancing oder Breaking ist eine Melange von vielen verschiedenen Elementen. Für mich ist es Kunst und Sport zugleich. Aus choreografischer Sichtweise ist es Kunst. Man kreiert neue Figuren, Moves und drückt sich mit seinem Körper zur Musik künstlerisch aus. Dafür braucht man Kraft, Ausdauer und muss man körperlich topfit sein – wie ein Spitzensportler", erklärt Lil Zoo im KURIER-Interview.

KURIER: Sie haben in Casablanca mit dem Tanzen begonnen. Gibt es dort eine lebendige Breakdance-Szene?
Lil Zoo: Nein. Als ich vor neun Jahren in Casablanca mit Breakdance angefangen habe, wurde ich ausgelacht. Das sei nur was für Kinder, haben die meisten gesagt. Und unter den Muslimen gilt diese Form des Tanzes als unreligiös. Junge Männer sollten davon lieber Abstand nehmen und lieber Fußball spielen. Das war früher so. Jetzt hat sich das zum Glück geändert. Viele Eltern bringen nun ihre Kinder zum Training, weil sie sehen, dass die Breakdance-Kultur eine Kultur des Miteinanders ist und ihre Kinder durch die sportliche und kreative Betätigung nicht auf blöde Gedanken kommen.

Gibt es beim Breakdance eigentlich Regeln?
Nein. Die Breakdance-Kultur begreift sich als frei von Regeln, kennt keine Diskriminierung, keinen Rassismus und keine Geschlechtertrennung. Frauen treten gegen Frauen und gegen Männer an, die oft das Nachsehen haben. Es gibt Grundfiguren, die jeder draufhaben sollte. Darauf baut man seinen eigenen Stil auf. Und dieser Stil ist von Land zu Land, von Kultur zu Kultur verschieden. In Österreich lassen viele B-Boys und B-Girls traditionelle Tänze wie den Schuhplattler einfließen. Ebenso wichtig sind individuelle Merkmale wie Kreativität, Ausführung, Musikalität und die eigene Persönlichkeit. Wer das am besten auf die Bühne bringen kann, gewinnt.

Sie sind am Samstag Teil der Jury. Worauf achten Sie besonders?
Mir ist die Ästhetik und die Art der Berührungen am Boden sehr wichtig. Hinzu kommt die Originalität der Performance: Es sollten keine Wiederholungen dabei sein und man sollte andere nicht kopieren. Wichtig sind mir auch noch ein guter Körperbau und ein guter Rhythmus: Man muss mit und nicht gegen die Musik tanzen.

Können Sie vom Breakdancen leben?
Am Anfang nicht, aber seit 2016 bin ich Teil der Red Bull Flying Bach-Show, in der klassische Musik auf Breakdance trifft. Dann gebe ich noch Workshops und bin als Jury-Mitglied bei Wettbewerben eingeladen. In Zukunft möchte ich verstärkt mit Musikern zusammenarbeiten und mit ihnen auf Tournee gehen.

INFO: Beim Breakdance Battle Red Bull BC One treten am Samstag (22. April) im Wiener Volkstheater Tänzer aus ganz Österreich gegeneinander an. 16 B-Boys und B-Girls (so nennen sich die Tänzer) werden sich im Finale gegenüberstehen. Neben acht Fixstartern werden bei einer Vorausscheidung am Freitag die restlichen Finalplätze vergeben. Wer in Wien gewinnt, kommt dem Weltfinale, das heuer in Amsterdam ausgetragen wird, einen großen Schritt näher. Neben dem Wettbewerb werden noch Workshops abgehalten. Am Freitag ist der Eintritt frei. Das ausverkaufte Finale (18.30 Uhr) kann man sich via Livestream ansehen.

(kurier) Erstellt am
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