Bartolomey: "So etwas habe ich noch nie erlebt"

© Schuster

Luzern
04/09/2014

Eine Hommage an Claudio Abbado

Gedenken: Der Cellist Franz Bartolomey über ein einzigartiges Konzert für einen großen Dirigenten.

von Gert Korentschnig

Die meisten Menschen im Publikum haben geweint. Und auch im Orchester hatten viele Tränen in den Augen", erzählt der Cellist Franz Bartolomey. "Dieses Konzert war ein großes Abschiednehmen. So, als hätte man eine Vaterfigur verloren."

Das Konzert: Eine Sonderveranstaltung im Rahmen des Osterfestivals in Luzern zum Gedenken an den im Jänner verstorbenen Dirigenten Claudio Abbado.

Das Orchester: Das Lucerne Festival Orchestra, bei dem Abbado seit 2003 seine Idealvorstellungen verwirklichen konnte. Bartolomey: "In Luzern ist ein Wunschtraum von ihm in Erfüllung gegangen. Es ging ihm um gemeinsames Musizieren von arrivierten Freunden, denen er vertrauen konnte, mit jungen Musikern." Die Basis bildete das von Abbado gegründete Mahler Chamber Orchestra, dazu holte er die besten Solisten und Musiker der wichtigsten Orchester.

Sein Platz blieb leer

Der Dirigent des Gedenkkonzertes: Zunächst keiner. Gespielt wurde der erste Satz aus Schuberts "Unvollendeter" – jenes Werk, das Abbado bei seinem letzten Konzert mit dem Luzerner Orchester auf dem Programm hatte. Diesmal blieb das Dirigentenpodium leer – sinnbildlich für die Leere, die Abbado hinterließ. Bartolomey führte als Solocellist die Cellogruppe an und sagt: "Da war eine richtige Beklemmung zu spüren." Danach leitete Andris Nelsons Bergs Violinkonzert mit Isabelle Faust als Solistin und das Finale aus Mahlers dritter Symphonie. Dazwischen las Bruno Ganz Hölderlins Elegie "Brot und Wein".

Nachdem die Musiker dann schon ihre Plätze verlassen hatten und das Publikum für gewöhnlich auch aus dem Saal strömt, gab es diesmal noch minutenlang Applaus – "es war so, als wäre Abbado noch hereingekommen, um sich zu verbeugen. So etwas habe ich noch nie erlebt", sagt Bartolomey. Der langjährige Erste Solocellist der Wiener Philharmoniker vermisst Abbado als Dirigenten sehr und erinnert sich an viele "erlebnisreiche Begegnungen". In den Saisonen 2005 und 2006 war er regelmäßig Solocellist beim Lucerne Festival Orchestra.

Wie es mit diesem einzigartigen Klangkörper nun weitergeht, ist unklar. In dieser Saison übernahm Nelsons jedenfalls die Konzerte. Das Gedenkkonzert wurde für eine DVD-Veröffentlichung mitgeschnitten. "Ein Konzert wie dieses hat es noch nie gegeben und wird es nie mehr geben", resümierte die NZZ.

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