FM4-Chefin Monika Eigensperger.

© APA/HERBERT NEUBAUER

20 Jahre FM4
01/23/2015

Eigensperger: "Wenn mich etwas nervt, drehe ich eher lauter"

Die FM4-Senderchefin über Jugendkultur, das Programm und den Umzug auf den Küniglberg.

von Marco Weise

Als FM4 vor 20 Jahren „on air“ ging, war Monika Eigensperger als Redakteurin dabei. Ein Jahr später übernahm die mittlerweile 55-Jährige die Leitung des öffentlich-rechtlichen Jugendradiosenders.

KURIER: Wie viele Stunden hören Sie täglich FM4?
Monika Eigensperger: So viel wie möglich.

Drehen Sie dabei auch mal genervt das Radio ab?
Natürlich bin ich eine besonders aufmerksame Radiohörerin - und wenn mich einmal etwas nervt, drehe ich eher lauter und analysiere, was mich gerade stört.

Welche Radiosender haben Sie im Auto einprogrammiert?
Ich habe keinen Führerschein.

FM4 wird stets das Etikett Jugendradiosender angeheftet. Trifft das überhaupt noch zu? Oder anders gefragt: Wie jugendlich ist der Sender heute?
Jugendlichkeit ist keine Frage des Geburtsjahrs. Ein Sender für die ganz Jungen waren wir aber auch früher nicht – einfach schon durch die Einstiegshürde der Zweisprachigkeit. Die größte Affinität zu FM4 haben die 20- bis 24-jährigen Hörer. Aber um auf den Kern der Frage zu kommen: Natürlich liegt unser Fokus auf Pop- und damit Jugendkultur. Wir entdecken – gerade auf der musikalischen Ebene – ständig und gerne Neues und berichten darüber bzw. bauen neue musikalische Spielarten auch in unser Programm ein. Auch in der redaktionellen Berichterstattung spielen etwa Bildungspolitik, Gesellschaftspolitik und neue Medien eine große Rolle, also Themen, die junge Menschen interessieren.

Wie viel Einfluss haben Sie auf das Programm?
Die Redaktion arbeitet unabhängig – aber natürlich rede ich als Senderchefin inhaltlich mit. Mein Einfluss erstreckt sich aber eher auf andere Bereiche: meiner Mannschaft den Rücken stärken, ein möglichst reibungsloses Arbeiten ermöglichen, dem Team Feedback geben, eine gewisse Sensibilität dafür behalten, was FM4 ausmacht und was es will, und notfalls eingreifen, falls einzelne Punkte auftreten, die dieser Essenz von FM4 widersprechen.

Wie quotenorientiert muss FM4 arbeiten?
Unsere Hörerzahlen sind seit Jahren – mit den üblichen Schwankungen – stabil. Wir sind ganz klar als Kultursender für eine jüngere Zielgruppe positioniert und erfüllen diesen Auftrag meiner Meinung nach hervorragend. Rund die Hälfte der FM4-HörerInnen ist zwischen 20 und 35 Jahre alt und formal hoch gebildet - und unsere HörerInnen sind uns treu.

Was unterscheidet den FM4-Hörer von damals vom FM4-Hörer von heute?
Vieles ist gleich geblieben: Unsere Hörer sind nach wie vor weltoffen, überdurchschnittlich musikinteressiert und sehr gebildet. Was sich – für alle Medien, nicht nur FM4 – geändert hat, ist der Aufbruch des starren Sender-Empfänger-Musters. Unsere HörerInnen sind 2015 daran gewöhnt, FM4 nicht nur passiv zu empfangen, sondern in einen Dialog mit uns zu treten – dazu haben Social Media viel beigetragen.

Wie stehen Sie zum geplanten trimedialen Newsroom auf dem Küniglberg, der bis 2021 umgesetzt werden soll?
Am Küniglberg soll nicht nur ein Newsroom gebaut werden, sondern ein neues Gebäude, das auch die Heimat von Ö3, ORF On, Studio Wien, Ö1 und eben FM4 werden soll. Der Newsroom ist ein Teil dieser Planungen. Zunächst einmal ist eine neue räumliche Ordnung nur das: ein neuer Raum, den man mit Leben füllen muss. Gutes Programm kann man überall machen. Das Funkhaus hat natürlich einen besonderen Stellenwert für all jene, die seit Jahren hier arbeiten und es als Heimat ansehen – und eine Heimat gibt man nicht so ohne Weiteres auf.

Man spricht gerne von einer FM4-Familie. Wie familiär geht es beim Sender zu?
Ich spreche lieber von der FM4-Community. Wir sind nicht durch Blut zwangsweise aneinander gebunden; wir alle wollen hier sein, weil wir gemeinsam zu dem, was FM4 ausmacht, beitragen wollen. Das erfordert eine gewisse Diskussionskultur, ein Eintreten für die eigene Meinung, aber auch die Fähigkeit zum Kompromiss. Ich glaube aber, dass wir eine freundschaftliche, gute Atmosphäre haben – mehr wie ein Freundeskreis als eine Familie.

Immer wieder beklagen sich Bands darüber, dass sie es nicht in die FM4-Playlist schaffen. Wer trifft die Musikauswahl, und nach welchen Kriterien?
Die Musikauswahl trifft die Musikredaktion. Wir bekennen uns zu einer musikalischen Ausrichtung abseits des Mainstreams. Besonderes Augenmerk richten wir auf heimische Acts. Wenn man jetzt von diesen Grundprinzipien absieht, dann muss man den MusikexpertInnen überlassen, was sie als relevant, spannend und FM4-affin ansehen. Das kann die neue Single von Kanye West sein, aber genauso das Debütalbum einer österreichischen Band. Außerdem: jedem Recht gemacht ist schlecht gemacht.

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