Das Revoltieren gegen die Nationalsozialisten mit Avantgarde

Das Revoltieren gegen die Nationalsozialisten mit Avantgarde
Judenhass in der Nachkriegszeit: Ingrid Lang brachte "Erbe" von Dorothea Zeemann im Nestroyhof Hamakom zur Uraufführung.

Im Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek schlummern viele Schätze. Denn weit mehr Nachlässe werden erworben, als die Wissenschaftler aufarbeiten können. Doch nun wurde wieder einmal eine Preziose geborgen: ein Theaterstück in drei Akten von Dorothea Zeemann, das, nie veröffentlicht, nur als Typoskript vorliegt. Man weiß daher auch nicht, wann es entstanden ist, mutmaßlich in den 1960er-Jahren.

Ingrid Lang, Leiterin des Theaters Nestroyhof Hamakom, wurde auf "Erbe" aufmerksam gemacht, weil sie im Herbst ein anderes, lange vergessenes Stück, "Der Nebel von Dybern" von Maria Lazar, zur Erstaufführung gebracht hatte. Aufgrund der Ereignisse des 7. Oktobers 2023 brauchte sie nicht lange nachdenken. Denn Dorothea Zeemann, 1909 in Wien geboren, thematisiert erstaunlich früh und mit holzschnittartigen Archetypen die Arisierungen in der NS-Zeit. Und sie zeigt beklemmend, dass der Antisemitismus wie die nationalsozialistische Gesinnung nicht mit dem Untergang des Dritten Reichs verschwunden sind.

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