Kultur
28.04.2018

Donaufestival, Tag 1: Edel sei der Mensch, fit und voller Chemie

Zum Auftakt darf man sich fragen, ob man dem Zwang zum Bessersein widerstehen kann.

Streng wird man gemustert, dann gerade noch gnädig eingelassen, mit den Worten „nette Software“, in eine Welt der verbesserten Körper: Ein Fitnesscenter wurde in die Kremser Messehalle 1 gebaut, bei dem mehr auf dem Spiel steht als nur Fettabbau und Muskelmasse.

"Medusa Bionic Rise" ist eine Menschen-Installation, die in einen steilen Zukunfts(alp)traum der kapitalistisch geforderten Fitnesspflicht führt. Als erstes wird man gleich zum Armdrücken beiseite geholt, wörtlich, denn dem Gegenüber fehlt die Hand, man zieht und zieht und unterliegt. So also ist es um die eigene Fitness bestellt.

Schöner leben

Höchste Zeit, sich körperlich für die neuen Zeiten zu rüsten. Die fitten, bunten Körpermechaniker von „the Agency“ turnen es vor, machen zu Laptopmusik Fitnessübungen und raunen den Unfitten gerne den Namen eines Hilfespenders zu: Dank „Medusa Bionic Rise“ – eine Riesenfirma? ein chemisches Produkt? – wird man zum neuen Menschen, versprechen sie. Und wenn man Glück (?) hat, entführt einen eines dieser bereits ordentlich verbesserten Menschenwesen in abgelegene Räume, zum Bauchmuskeltraining oder zum Gegen-die-Wand-Boxen. Oder steckt einem eine Pille zu und serviert dazu seine „Lieblings-Aminosäure“, dank der man weniger Schlaf brauche. Was man sich da an verschwendeter Lebenszeit ersparen kann.

Man schaut zu, macht mit und bewundert Bauchmuskeln und Achselhaare und die wunderbare Ergebenheit der Trainierenden: Schritt vor, Schritt zurück, Schritt vor, Schritt zurück; so sieht die Zukunft aus.

Wer sich dafür nicht gerüstet fühlt, ist in der Kunsthalle Krems bestens aufgehoben. In „Premise Place“, einer Video-, Flugzeugteil- und Kopfhörerinstallation von Ryan Trecartin und Lizzie Fitch, gibt es das Reality-TV der Gleichförmigkeitsverweigerer. In harten Schnitten und grell überschminkt, telefonieren und deklamieren und ironisieren kalifornische Subkultur-Kunstfiguren die spießigen US-Vororte und den Konsumzwang.

Nette Software!