© Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Kultur
09/10/2020

Domingo an der Staatsoper: Das Repertoire wird zum Ereignis

Nicht enden wollender Applaus für „Simon Boccanegra“ mit Plácido Domingo an der Staatsoper (Von Susanne Zobl).

Die dritte Vorstellung, Giuseppe Verdis „Simon Boccanegra“, in der Direktion von Bogdan Roščić an der Wiener Staatsoper zeigte, wie einfach eine Repertoire-Aufführung zum Ereignis werden kann: mit einer aufregenden Besetzung.

In der Titelrolle kehrte Plácido Domingo ins Haus am Ring nach für ihn alles andere als einfachen Zeiten zurück. Doch die Vorwürfe im Zuge der #Metoo-Debatte wegen angeblich unkorrekten Verhaltens und eine Covid-Infektion konnten ihm nichts anhaben.

Er verkörperte den Dogen darstellerisch brillant, mehr noch, er war es. Sein Widersacher Fiesco war Günther Groissböck. Da standen einander zwei Giganten aus zwei Generationen gegenüber.

Der eine, Domingo, ließ in manchen Momenten seine tenorale Vergangenheit aufblitzen, der andere, Groissböck, brillierte bei seinem Rollendebüt mit seinem nobel geführten Bass. Ausdrucksstark und sonor führte er seine markante Stimme. Auch die anderen Rollen waren sehr gut besetzt: Eine wirkliche Entdeckung ist Najmiddin Mavlyanov aus Samarkand. Der Usbeke überzeugte als kraftvoller Gabriele Adorno mit seinem zwischen warmen und metallenen Schattierungen oszillierenden Tenor. Die Sopranistin Hibla Gerzmava berührte als intensive Amelia.

Attila Mokus, der nächste Hausdebütant, ließ als dämonischer Paolo aufhorchen. Einen Einwand könnte man gegen die trockene Lesart von Dirigent Evelino Pidò erheben, die auf Kosten der Poesie ging. Nicht enden wollender Applaus.

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