G’standene Männer im gesetzten Alter kaufen noch Haltbarmilch
Man kann von den alten Haudegen, „der Erlösung näher als der Versuchung“, wohl kaum erwarten, dass sie das Kabarett neu erfinden. Sie machen lieber einen auf Farkas und Waldbrunn – samt allen Höflichkeitsformeln. Wobei Dieter Chmelar als Tempomacher die Rolle des Oberg’scheiten übernimmt. Was Joesi Prokopetz magerlt: „Ich könnt’ Ihnen jetzt recht geben, aber dann hätten wir beide unrecht.“
In „Für und zwider“, ihrer zweiten Doppelconférence (nach „Evergrins“), gehen sie ganz ungeniert mit dem Ideenklau um. Schon das jingleartige Intro frei nach Wolfgang Ambros (mit dem Prokopetz in den 1970er-Jahren nicht nur den „Hofa“ ersann) weist die Richtung: „Es lebe der Verbalfriedhof“ – weil manche Pointen ihre ersten 100 Jahre feiern würden.
Die „g’standenen Männer im gesetzten Alter“ machen sich vornehmlich über sich selbst lustig. Denn der eine hat sich eine Haltbarmilch gekauft, der andere mit einem Fortsetzungsroman begonnen. Doch sie lesen ob der Vergesslichkeit nicht nur aus dem Skript vor (die Souffleuse müsste ja viel zu laut flüstern): In der Interaktion mit dem Publikum zeigen sie ihr wahres Können.
Bei der Premiere im CasaNova musste ein Mann immer wieder husten: Er geniese den Abend, meinte Chmelar. Und natürlich erwies der Kollege dem KURIER die Ehre: Mit der Zeitung in der Hand kommentierte er stilblütenartig das Zeitgeschehen. So waren nicht nur Grassers Jahre in der Politik eine Bereicherung.
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