Kabarett-Duo Chmelar/Prokopetz: "Schüttelreime aus dem Ärmel geschüttelt"

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Joesi Prokopetz und Dieter Chmelar blödeln über ihre Zusammenarbeit und streiten über die Frage, wie viele Geschlechter es gibt. Ab Ende Jänner sind sie mit ihrem neuen Programm „Für und Zwider“ unterwegs.

Ein pointenreiches Interview mit zwei „Zirkuspferden“.

KURIER: Wie oft werden Ihre Namen falsch ausgesprochen?

Joesi Prokopetz: In einem Lokal in der Schweiz wurde der Name einmal als „Bruckenbeck“ notiert.

Dieter Chmelar: Da hast du aber eh Glück, ich habe einmal „Kamelhaar“ geheißen.

Auch Joesi ist ungewöhnlich.

Prokopetz: Ja, manche sprechen es als „Joschi“ aus, was mir ganz furchtbar ist, oder „Josi“ oder „Jösi“.

Chmelar: Aber eigentlich heißt du Josef. Und darf man auch deinen Spitznamen als Kind verraten?

Prokopetz: Gucki! Weil ich große, braune Augen hatte, mit denen ich, obgleich erstaunt, so doch wissbegierig in die Welt blickte.

Was hat Sie beide zusammengebracht?

Prokopetz: Eine Hinterlist des Schicksals!

Chmelar: Es ist eine Geschichte der Nacht.

Prokopetz: Das Nachtleben war es.

Chmelar: Uns beide erfüllte ein Hauch von Respekt – das hat sich mittlerweile ein bissl verspielt … Er war damals schon wer, ich war ja nix.

Dieter Chmelar, Joesi Prokopetz

Prokopetz: Du warst doch schon als der Pointenreiche bekannt! Das hat mich sogar mit ein bissl Neid erfüllt. Der hat auf alles was g’wusst und Schüttelreime wirklich aus dem Ärmel geschüttelt! Unsere Unterhaltungen waren rein philosophisch wertlos, weil sie ein dauerndes Einanderübertreffen waren.

Chmelar: „Hirscheln“ heißt das in der Jägersprache. Er, der Sechzehn-Ender, und ich der Acht-Ender, der aus dem Unterholz brach!

Ihr seid ja beide starke Persönlichkeiten …

Chmelar: … nein, fragen Sie unsere Frauen!

Prokopetz: Sag’ ma lieber: zwei stärkere Herren.

Kriegen Sie sich denn nie in die Haare?

Chmelar: Unablässig!

Prokopetz: Würde ich gar nicht so sagen! Obwohl wir schon schonungslos diskutieren.

Chmelar: Es handelt sich um einen Gedankenaustausch: Ich komm’ mit meinen Gedanken und geh’ mit seinen.

Prokopetz: Das stimmt so auch nicht. Die erfüllendsten Momente sind, wenn wir zusammen schreiben.

Kommen Sie neben Chmelars Wuchtelfeuerwerk überhaupt zu Wort?

Prokopetz: Manchmal unterbrech’ ich ihn, um eine starke Pointe anzubringen, was sehr schwer möglich ist.

Chmelar: Ich bin ein sehr verträglicher Mensch. Ich habe auch die Ehe meiner Eltern gerettet: Sie wollten sich scheiden lassen, aber keiner wollte das Sorgerecht für mich!

Dieter Chmelar, Joesi Prokopetz

Man weiß, dass Sie Ihre lose Zunge öfter in Schwierigkeiten gebracht hat! Man erinnere sich an Monika Lindner.

Chmelar: Ja, sie hat mir zum Abschied sehr tröstlich gesagt: „Du bist so begabt, du brauchst den ORF nicht.“ Und ich habe geantwortet: „Bei dir ist es genau umgekehrt.“

Natürlich liefert euch auch die Politik täglich Pointen.

Chmelar: Wir wollen uns bei diesem Programm ganz bewusst nicht der Tagesaktualität ausliefern.

Prokopetz: Politische Pointen sind entweder blöd – da macht man Witze über Kickls Untergatte – oder driften ins Ideologische ab, was auch nicht immer wirkliche Pointen verträgt.

Chmelar ist allerdings schon oft ziemlich politisch.

Chmelar: Ich falle ja unter Artenschutz und gehöre zu den letzten Gemeindebaukindern, die noch immer einem linken, weltverbessernden Gedankengut frönen.

Prokopetz: Ich war ein Linker – u. a. im Verein sozialistischer Mittelschüler. Aber je älter ich werde, desto weniger kann ich mich mit manchen linken Parolen und Forderungen anfreunden. Es kommt ja eh kaum was, außer vielleicht, dass man auf den Mietpreisen rumreitet.

Chmelar: Aber das geht den Menschen unter die Haut. Und man deckt das alles zu, indem man sagt, es darf nicht gegendert werden und es gibt nur zwei Geschlechter!

Prokopetz: Es gibt doch nur zwei Geschlechter!

Chmelar: Das stimmt nicht!

Prokopetz: Was ist denn das dritte Geschlecht?

Chmelar: Es gibt Hermaphroditen.

Prokopetz: Ja, aber doch kein eigenes Geschlecht! Wenn wir sachlich über etwas reden wollen, geht es nur naturwissenschaftlich! Ideologie ist immer dogmatisch!

Chmelar: Am meisten ärgert mich, wenn jemand behauptet: „Das darf man nicht mehr sagen!“ Aber ihr sagt doch eh alles jede Sekunde!

Prokopetz: Wer ist ihr?

Chmelar: Wo du ideologisch hindriftest!

Prokopetz: Ich finde, man darf und soll ja alles sagen.

Dieter Chmelar, Joesi Prokopetz

Chmelar: Wir sind seit dieser Zusammenarbeit wieder per Sie.

Prokopetz: Wer uns Freundschaft andichtet, ist blind (alle lachen).

Gehen die Menschen seit dem Ende der Pandemie wieder mehr ins Kabarett?

Chmelar: Leider nicht.

Prokopetz: Die Agenturen sagen, dass der Kartenkauf immer knapper vor der Veranstaltung stattfindet.

Manche Kabarettisten füllen aber sogar ganze Hallen!

Chmelar: Ja, aber das sind mehr Comedians als Kabarettisten! Ich ziehe meinen Hut, wenn jemand 8.000 Leute in der Stadthalle begrüßt!

Prokopetz: Das habe ich mit dem „Watzmann“ immer wieder gehabt (ein „Alpendrama“-Album, das zum Musical/„Rustical“ wurde; Anm.).

Sie haben in einem „Presse“-Interview einmal gemeint, „glücksunfähig“ zu sein. Ist das Ihr Ernst?

Prokopetz: Ich hatte zwei gröbere Depressionsschübe, und mein Psychiater meinte, es gebe so etwas wie Glücksunfähigkeit. Das Vokabel hat mir gut gefallen.

Es gibt ja das Bild vom traurigen Clown.

Chmelar: Da sitzen zwei!

Salon Salomon: Zum ausführlichen Gespräch mit Dieter Chmelar und Joesi Prokopetz

Herr Prokopetz, Sie haben Austropop-Geschichte geschrieben mit „Da Hofer“, „Du bist wia de Wintersun“ oder „Es lebe der Zentralfriedhof“. Und dann …

Chmelar: (singt) „Codo, der Dritte, aus der Sternenmitte.“

Wie sind Sie überhaupt auf den Namen für diesen Hit gekommen?

Prokopetz: Codo heißt übersetzt „kosmischer Dolm“. Darf ich ausholen?

Chmelar: (schaut auf die Uhr) Wir wollen bitte Ostern im Kreise der Familie feiern.

Prokopetz: Wir haben damals auf einer Kassette ein schreckliches Lied gehört, in dem auch der Refrain vorkam: „Ich düse, düse im Sauseschritt.“ Aber wir sind dann draufgekommen, wenn man es anders arrangiert, dann passt das gut in diese New-Wave-Zeit und als Paraphrase auf all diese Weltraumlieder. „Fred vom Jupiter“!

Chmelar: „Major Tom“! Nebenbei war es eine schöne Melodie, und es waren hervorragende Stimmen.

Prokopetz: Ich habe den Refrain komponiert. Aber das war eigentlich nur ein Kinderlied! Die besten Hits haben nur zwei Harmonien, das hat sogar drei. Ich dachte ja, dass uns die Leute für diesen Blödsinn mit Exkrementen auf der Straße bewerfen! Aber wir haben eineinhalb Millionen Singles verkauft.

Sie, Herr Chmelar, waren Dressman, Filmkleindarsteller und haben sogar Soft-Pornofilme gedreht.

Chmelar: Ich habe einen filmischen Beweis dafür, Sex gehabt zu haben. Joesi, das steht bei dir noch aus (lacht). Wer viel macht, erlebt viel. Ich war immer neugierig.

Sie, Herr Prokopetz, haben ikonische Werbesprüche getextet: „Lustig samma, Puntigama“ oder „Dann Dan“.

Chmelar: (singt) „Wenn ihr eine Küche wollt, dann Dan.“

Prokopetz: Ich habe gut verdient mit Werbung, weil mir immer wieder und recht schnell was eingefallen ist.

Gibt es bei euch einen Dresscode auf der Bühne?

Chmelar: Ich habe mir zu Weihnachten zwei gestreifte Hemden gewünscht, weil ich finde: Kleinkariert ist der Partner.

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