"Die Stille danach": Ursula Strauss (Paula Rom) vor dem Sarg ihres Sohnes Felix.

© ORF/Petro Domenigg

TV-Tipp des Tages
10/12/2016

"Die Stille danach" von Nikolaus Leytner

In "Die Stille danach" geht es um den Amoklauf eines 14-Jährigen und dessen Folgen für die Familie. Heute Abend auf ORF 2.

von Marco Weise

Es sind gerade Ursula-Strauss-Spiele: Im Kino ist die schauspielerische Allzweckwaffe in "Mein Fleisch und Blut" zu sehen, im Fernsehen gab sie unlängst im ORF-Vierteiler "Pregau" die herzlose Maria Hofer und zum Jahreswechsel spielt sie in "Die Sachers" die Besitzerin des berühmten Wiener Hotels. Davor, nämlich am morgigen Mittwoch, begibt sich die Schauspielerin in "Die Stille danach" (20.15 Uhr, ORF 2) auf die Suche nach Antworten. Antworten zum Amoklauf ihres Sohnes Felix (Enzo Gaier), der in seiner Schule eine Waffe zückt – und schießt. Dabei tötet er Mitschüler und zuletzt auch sich selbst.

Das Drama von Nikolaus Leytner (Regie und Drehbuch) begleitet die gut situierte Familie Rom, deren geordnete Welt immer weiter auseinanderbricht, in den Untergang. Es bleiben Fragen, die keiner beantworten kann. Es bleibt ein Leben, das irgendwie und trotz alldem weitergeht, weitergehen muss. Es folgen Untersuchungen, Konfrontationen, Anfeindungen, Begegnungen mit anderen Eltern, Überlebenden und Journalisten. Das sind die harten Fakten einer bedrückenden Geschichte, die einem nahe geht. "Bei den Dreharbeiten habe ich gespürt, dass die Geschichte die Schauspieler und das ganze Team am Set enorm mitnimmt. Abschalten und nach Hause gehen war oft nicht möglich", sagt Nikolaus Leytner im KURIER-Interview.

Druck

Nikolaus Leytner, der in Österreich unter anderem durch die Kinokomödien "Die Schwarzfahrer" oder "Drei Herren" bekannt ist, hat sich im Vorfeld intensiv mit dem Thema Amoklauf in Schulen, den möglichen Motiven und Folgen auseinandergesetzt. Inhaltlich konzentriert sich "Die Stille danach" aber nicht auf die Tat selbst, sondern auf das "Danach". "Ich will mit dem Film Fragen zu unserer Gesellschaft und zum täglichen Familienleben stellen: Wie kann es so weit kommen, dass ein Sohn seine Mutter, sein ganzes Umfeld belügt? Als Elternteil realisiert man plötzlich, dass es auch in der Familie Dinge gibt, die man vom anderen nicht weiß. Selbst wenn es das eigene Kind ist", sagt Leytner. Nachsatz: "Wenn der Film es schafft, dass einige Mütter und Väter darüber nachdenken, ob sie vielleicht zu wenig über ihr Kind wissen, dann wäre das eine tolle Sache."

Der Film basiert zwar nicht auf wahren Begebenheiten, aber ähnliche Fälle gibt es genug – nicht nur in den USA, sondern auch in Europa. Auch bei uns wäre so etwas möglich. Auslöser für solche Kurzschlusshandlungen gäbe es einige. "Bei einem jungen Menschen können viele Dinge zusammenkommen, wie Leistungsdruck oder Mobbing", sagt Leytner, der zu dieser Thematik einen besonderen Bezug hat. "Ich habe selber eine Tochter. Sie ist 15 und ich bekomme mit, wie rau da manchmal das Klima unter Kindern ist. Und unter welchem Druck die Jugend heutzutage steht." Gefährdet seien meistens unauffällige Schüler, die keine Bühne zur Selbstdarstellung haben.

Antworten auf das "Warum?" gibt Leytner im Film zwar keine, aber im Interview hat er einen Rat parat: "Wir müssen Kindern manchmal mehr Aufmerksamkeit schenken."

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