Diagonale 26 - Mayer-Drehbuchpreise für "Hans" und "Wurzel und Wind"

Auszeichnungen für Peter Pflügler und Reza Rasouli mit 15.000 bzw. 7.500 Euro dotiert - Thomas Pluch Drehbuchpreis an Markus Schleinzer und Alexander Brom für "Rose".
Sandra Hüller in "Rose".

Am österreichischen Filmfestival Diagonale in Graz sind am Montag die Carl-Mayer-Drehbuchpreise 2026 verliehen worden. Der Hauptpreis in der Höhe von 15.000 Euro ging an Peter Pflügler für "Hans or Don't Bury Me in the Grave of My Father". Der Förderpreis, dotiert mit 7.500 Euro, wurde an den aus dem Iran gebürtigen Reza Rasouli für "Wurzel und Wind" verliehen. Der Thomas Pluch Drehbuchpreis ging an Markus Schleinzer und Alexander Brom für "Rose", den Eröffnungsfilm.

Zu "Hans" von Peter Pflügler hieß es, der Film beschäftige sich mit dem gleichnamigen Amateurfotografen. Dessen Urgroßneffe Peter stößt auf die über 1.000 Selbstporträts des Vorfahren, über den aber niemand in der Familie so recht Bescheid zu wissen scheint und der offenbar als kauzig galt. Was als dokumentarische Suche seinen Ausgang nimmt, wird zu einem Experiment der Formfindung - Träume suchen den Protagonisten heim, Dokument und Inszenierung verschwimmen. Sensibel gebaut und mit fotofilmischen Strategien unterfüttert, treten vergrabene Familientraumata - versuchter und tatsächlicher Suizid, Einsamkeit, Missbrauch - an die Oberfläche, wie es in der Jurybeschreibung zum "berührenden Treatment" für den dokumentarischen Stoff heißt.

"Klischees gegen den Strich gebürstet"

In "Wurzel und Wind" geht es um die 16 Jahre alte muslimische Migrantin Leila, die schwanger ist. Zusammen mit ihrem Freund Konsti beschließt sie die Abtreibung. Die dafür nötigen 600 Euro können sie aber nicht aufbringen, erst als sie ohne Wissen der Eltern ihre Habseligkeiten verkaufen, am Ende sogar die eigenen Haare. Selbst das reicht nicht, schließlich bedienen sie sich aus Mutters Geldbörse. Es entwickelt sich ein Dominoeffekt an vermeintlich gut gemeinten Taten und Ratschlägen, rasant entsteht ein multiperspektivisches Drama, in dem alle Figuren Licht und Schatten in sich tragen. "Ungewohnt selbstverständlich ist die diasporische Erfahrung von Leilas Familie in Wien verankert. Es ist bemerkenswert, wie der Autor damit Erwartungshaltungen unterwandert und Klischees gegen den Strich bürstet", hieß es in der Jurybegründung unter anderem.

Die Jury unter dem Vorsitz des früheren Festivalleiters Sebastian Höglinger setzte sich aus der deutschen Drehbuchberaterin Françoise von Roy, dem deutschen Produzenten Felix von Boehm sowie der Regisseurin und Drehbuchautorin Alexandra Makarová und Klemens Hufnagel zusammen. Der Drehbuchautor und Kameramann Hufnagel ist auch der Vorjahrespreisträger, für "Wenn Fische Robben fressen".

Der Thomas Pluch Drehbuchpreis 2026 des Drehbuchverbandes Austria geht an "Rose", den Eröffnungsfilm der Diagonale 26 von Markus Schleinzer und Alexander Brom. Der vom Kulturministerium gestiftete Preis ist mit 12.000 Euro dotiert. Den Spezialpreis der Jury mit 7.000 Euro erhielt "Teresas Körper" von Magdalena Chmielewska. Nominiert für den Haupt- und den Spezialpreis waren auch "Acht" von Marie Kreuzer, "The Stories" von Abu Bakr Shawky und "White Snail" von Elsa Kremser und Levin Peter. Der Thomas Pluch-Preis für kurze oder mittellange Kino-Spielfilme, dotiert mit 3.000 Euro, ging an "Ein Unfall" von Angelika Spangel und Sophia Wiegele. Die Thomas Pluch Drehbuchpreise feierten ihr 34-jähriges Bestehen, sind mit gesamt 22.000 Euro dotiert und eine der wichtigsten filmischen Auszeichnungen des Landes.

INFO: www.diagonale.at

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