Kultur
09.03.2013

Der 4-Prozent-Mann

Der rote Salzburger Bürgermeister Heinz Schaden hat also verkündet: Der Vertrag von Festspielchef Alexander Pereira werde über das Jahr 2016 hinaus nicht verlängert. Prinzipiell steht diese Ansage Schaden zu: Im Kuratorium, in dem er die Stadt Salzburg vertritt, gilt das Einstimmigkeitsprinzip. Dass er das aber tut, ist nicht nur kühn (niemand weiß, wie das Kuratorium nach den Wahlen in Salzburg und auf Bundesebene aussieht), sondern auch bezeichnend für eine Unkultur an politischer Einmischung.

Die Festspiele werden zu 20 Prozent von der öffentlichen Hand finanziert. Laut Festspielgesetz von 1950 sind es fünf Geldgeber, die zu gleichen Teilen Subventionen ausschütten. Die Stadt ist einer davon, Schaden repräsentiert also nur einen 4-Prozent-Unterstützer der Festspiele. Das wäre anderorts Meilen von einer Sperrminorität entfernt.

Es hat auch schon System, dass Schaden sich in künstlerischen Fragen weit hinauslehnt. Er war der Erste, der Subventionskürzungen veranlasste. Er war derjenige, der vor vielen Jahren den kindisch-provokanten Penis-Mann vor dem Festspielhaus abtransportieren ließ. Er hatte Intendant Peter Ruzicka vergrämt. Dessen Nachfolger Jürgen Flimm attackiert. Und Pereiras Vorgänger Markus Hinterhäuser geraten, außerhalb Salzburgs Erfahrungen zu machen und ein paar Runden als Intendant der Wiener Festwochen zu drehen.

Salzburg will Weltstadt sein. Und agiert so oft provinziell.