© Rene Huemer

Kultur
03/29/2019

Dave Matthews Band in Wien: Es liegt nicht an dir, Liebling

Kritik: Was macht ein langjähriger Fan, dem seine Lieblingsband irgendwie fremd geworden ist?

von Michael Huber

Es muss hier persönlich werden: Ihr Rezensent unterhält seit gut 20 Jahren eine Langzeitbeziehung mit der Dave Matthews Band (kurz DMB). Und er fühlt sich fast ein wenig schuldig, beim Wien-Konzert der Gruppe am Donnerstag nicht die Euphorie empfunden zu haben, zu der er einst fähig war. In Beziehungen sagt man da: Es liegt nicht an dir, Liebling, es liegt an mir.

Zweifellos war die Band, die in den USA Stadien füllt, in Wien aber nur die Sparversion der Stadthalle mit rund 3000 Gästen bespielte, gut in Form. Von der Ursprungsbesetzung als Quintett ist die Combo zu einem Septett gewachsen, in dem Saxofon, Trompete, E-Gitarre und Keyboards die Kernzelle von Sänger/Gitarrist Matthews, Bassist Stefan Lessard und Schlagzeuger Carter Beauford ergänzen. Vor dem Hintergrund, dass sich die Musiker als nahezu gleichwertige Improvisatoren verstehen, ist die Wendigkeit, die sich die Gruppe in Funk-Rock-Songs wie „Stay“ erhielt, nach wie vor bemerkenswert – besonders der Keyboarder Buddy Strong erwies sich als würdiger Neuzugang.

Muskelkraft

Mit der breiten Aufstellung geht aber auch ein Mehr an Bombast einher, und hier nimmt die Beziehungskrise ihren Ausgang. Freilich war der Sound der DMB seit den Anfängen in den 1990ern auf dem Kunststück aufgebaut, die Freiheit und Komplexität von Jazz, Funk und afrokaribischen Rhythmen mit der Geradlinigkeit hymnischer Rocksongs zu vereinen.

Diese Volte, die die aus schwarzen und weißen Musikern bestehende Band immer auch zu einem Mikrokosmos der USA im positivsten Sinn werden ließ, kann zu großartigen Songs (nach wie vor: „Crash“ oder „Grey Street“ ) führen, aber auch (zu) viel Muskelkraft einfordern.

Befeuert durch die gut trainierten Musiker und Covers von Peter Gabriels „Sledgehammer“, „All Along The Watchtower“ und einem darin eingefügten „Stairway to Heaven“ landete die DMB in Wien nämlich stellenweise auf der Insel des Stadion-Rock, an der das Schiff der Zeit vorbeigezogen ist. Den Platz im Herzen Ihres Autors wird die DMB trotzdem behalten: Das Versprechen einer Form von Lebensfreude und Gemeinschaftsgefühl, das in Musikalität wurzelt, inspiriert auch noch dann, wenn die Songs nicht mehr so zünden.

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