Andris Nelsons soll in Bayreuth den neuen „Ring“ dirigieren

© REUTERS/BRIAN SNYDER

Bilanz und Ausblick
08/28/2015

Das Bayreuther Künstler-Karussell

Wer in den kommenden Jahren welche Partie singt – und wer sich warum vom Grünen Hügel zurückzieht.

von Gert Korentschnig

An diesem Freitag gehen die 104. Bayreuther Festspiele zu Ende. Es waren nicht die allerbesten.

Schon zu Beginn gab es eine belanglose "Tristan"-Inszenierung von Katharina Wagner. Am Freitag dirigiert Alex Kober zum Abschluss den "Fliegenden Holländer". Dazwischen gab es noch einmal den "Lohengrin" in der Ratten-Optik von Hans Neuenfels und immerhin drei gefeierte Zyklen des "Ring des Nibelungen".

Bei dieser Produktion stand am Mittwoch Kirill Petrenko zum letzten Mal am Pult und wurde nach der "Götterdämmerung" gefeiert. Es ist nicht davon auszugehen, dass der von Musikern und Publikum gleichermaßen geliebte Dirigent so rasch nach Bayreuth zurückkehrt.

2015 waren auch die letzten Festspiele unter dem Leitungsduo Katharina Wagner/Eva Wagner-Pasquier. Ob es künftig, unter der alleinigen Herrschaft von Katharina Wagner, besser wird?

Besetzungs-Chaos

Zuletzt wurde kolportiert, dass Katharina Wagner bei den Besetzungen die Weichen für die Zukunft stelle, also gehörig umrühre. Wahr ist vielmehr, dass zahlreiche vermeintlich ausgeladene Sänger aus ganz anderen Gründen nicht mehr auf den Besetzungslisten aufscheinen. Wolfgang Koch etwa, der phänomenale Wotan der vergangenen drei Jahre, hatte sein Engagement stets mit jenem von Petrenko verknüpft. Ohne ihn singt Koch nicht mehr den Göttervater.

Johan Botha, als Siegmund zentral verantwortlich dafür, dass die "Walküre" das sängerische Juwel des "Ring" war, wird ebenso wegen des Rückzugs von Petrenko 2016 nicht in Bayreuth singen. Dass Claudia Mahnke im kommenden Jahr, wenn Marek Janowski dirigiert, nicht als Fricka und Waltraute zurückkehrt, liegt daran, dass sie an ihrem Stammhaus Frankfurt die Wozzeck-Marie singt. Burkhard Ulrich (Mime) hatte sich schon davor aus familiären Gründen zurückgezogen. Andere wie Norbert Ernst oder Günther Groissböck gaben zuletzt Salzburg den Vorzug.

Tatsächlich von Katharina Wagner abgesetzt wurden Martin Winkler (der Alberich im ersten Jahr der "Ring"-Inszenierung von Frank Castorf) sowie Lance Ryan (der Siegfried der ersten beiden Jahre) – gegen den Protest von Petrenko und Castorf. Letzterer muss nun 2016 den "Ring" mit vielen Neuen einstudieren, etwa drei verschiedenen Wotanen.

Aber was ist in den kommenden Jahren an Neuproduktionen angesetzt?

Pläne bis 2022

2016kommt ein neuer "Parsifal" mit Andris Nelsons (am Freitag mit Boston in Grafenegg zu hören) als Dirigent und Uwe-Eric Laufenberg als Regisseur. Klaus Florian Vogt ist der Parsifal, die Kundry steht noch nicht fest. Ursprünglich hätte Petra Lang diese Partie singen sollen, sie übernimmt jedoch die Isolde von Evelyn Herlitzius. Ebenso im Gespräch war, dass Anja Kampe, die heuer als Isolde abgesetzt wurde, die Kundry als eine Art Trostpflaster bekommen sollte, um sie nicht noch einen zweiten Sommer auszahlen zu müssen (wozu es auch nicht zu kommen scheint). Der vorgesehene Regisseur Jonathan Meese war im Unfrieden aus Bayreuth geschieden.

2017 kommen "Die Meistersinger" mit Philippe Jordan am Pult und Barrie Kosky als Regisseur. Klaus Florian Vogt wird den Stolzing singen, Michael Volle den Sachs. Andreas Schager, 1971 in Niederösterreich geboren, übernimmt von Vogt den Parsifal.

2018 wird Christian Thielemann "Lohengrin" dirigieren. Angesetzt sind Roberto Alagna in der Titelpartie und Anna Netrebko als Elsa. Regie: Alvis Hermanis. Bühnenbildner: Neo Rauch.

2019 kommt "Tannhäuser neu. Regie: Tobias Kratzer.

2020 ist wieder "Ring"-Jahr. Andris Nelsons wird dirigieren, Christine Goerke ist die Brünnhilde, Andreas Schager der Siegfried. Was die Regie betrifft, hört man Gerüchte über Verhandlungen mit Dmitri Tcherniakov.

Für 2021 ist der "Holländer" geplant, für 2022 dann wieder "Parsifal", dem Vernehmen nach mit Thielemann als Dirigent‚ und Katharina Wagner als Regisseurin – obwohl ihr Vertrag nur bis 2020 läuft. Aber sie ging ja schon zuletzt über vieles hinweg.

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