"Da Capo Udo Jürgens" in Wien: Ein letztes Mal "Merci Chérie"

Ein Orchester spielt auf einer Bühne, darüber ist Udo Jürgens mit ausgebreiteten Armen auf einer großen Leinwand zu sehen.
Pepe Lienhard, der Jürgens 37 Jahre lang mit seiner Band begleitet hat, spielt am 20. Februar in der Wiener Stadthalle die Hits zu einer Live-Aufnahme von Jürgens’ Gesang. Und erzählt hier von der gemeinsamen Zeit.

Eine Gala für Industrielle in Walsrode: Udo Jürgens ist Stargast, aber alles läuft schief. „Die Moderatorin hat uns angekündigt, als wir noch nicht bereit waren“, erinnert sich Pepe Lienhard, der Jürgens 37 Jahre lang mit seiner Big Band begleitet hatte. „Man dachte deshalb, wir kommen nicht mehr. Dann haben sie noch die 40 Köche vorgestellt, und als wir kamen, spielten die Kinder vor der Bühne Ringelreihe. Keiner hat gemerkt, dass Udo da ist, keiner hat geklatscht.“

Ernst genommen

So etwas ist Udo Jürgens nur in wenigen Ausnahmefällen passiert. Lienhard ist es nicht deshalb so eindrücklich in Erinnerung geblieben, weil „dieses Grauen“ von einem Doku-Team gefilmt wurde, sondern weil Jürgens auch dieses Publikum auf seine Seite holen konnte. 

„Am Ende standen alle vor der Bühne und haben gejubelt. Genau das hat mich an Udo am meisten fasziniert: Er hat die Musik und sein Publikum immer ernst genommen. Man könnte denken, dass er so ein Konzert mit Routine runterspielt und abkassiert. Aber er wollte immer, dass die Leute glücklich rausgehen, und hat das auch immer geschafft. Auch in Walsrode.“

Jetzt sind Lienhard und seine Band wieder mit den Udo-Jürgens-Hits unterwegs. Am 20. Februar spielt das Ensemble in der Wiener Stadthalle das Programm „Da Capo Udo Jürgens“ – und ein letztes Mal quasi mit Udo zusammen. Dabei werden nämlich auf einer LED-Wand Videos von der letzten Jürgens-Tour eingespielt, während die Lienhard-Band live zu Udos Gesang von damals spielt.

Schon 2024 sind Lienhard und sein Orchester damit in Wien aufgetreten. Für 2026 gibt es eine kleine Neuerung: „Wir hatten erst keine Aufnahme von ,Merci Chérie‘ als Ganzes, weil Udo das immer nur in einem Medley gesungen hat. In der Zwischenzeit bekamen wir aber die Originalaufnahmen von 1966, als Udo damit den Song Contest gewonnen hat.“

Ein paar Oldies und Fanfavoriten, von denen es ebenfalls keine Videos gibt, singen in der Show der Chor oder die Moderatoren, die auch Storys über Udo erzählen und Lienhard interviewen. Denn in den 37 Jahren der Zusammenarbeit entwickelte sich eine enge Freundschaft zwischen den Musikern.

Pepe Lienhard

„Heute bin ich nicht mehr traurig, nur dankbar, dass ich das alles mit ihm erleben durfte“: Pepe Lienhard, Bandleader.

„Am Anfang war Udo für mich nur ein Superstar, der sich mit uns abgibt“, erzählt Lienhard. „Es war ein Zufall und ein Glücksfall, dass wir zusammengekommen sind, denn Udo ist wegen Steuerproblemen in die Schweiz geflüchtet. Er war von Anfang an immer auf Augenhöhe mit uns, aber für mich es war eine riesige Ehre, mit ihm spielen zu können. Im Laufe der Jahre sind wir uns immer näher gekommen, haben auch in der Freizeit viel unternommen. Es hat uns auch die gemeinsame Liebe zum Jazz verbunden.“

Auch beruflich hat Lienhard viele hoch geschätzte Erinnerungen an die Zeit mit Jürgens. Zum Beispiel an die Auftritte in China. „Das war 1987, als es noch keinerlei Freiheit in China gab und Nähe zum Publikum überhaupt nicht ging. Aber Udo ist am Ende von der Bühne gesprungen, hat das Bad in der Menge genommen. Da sind die Funktionäre und die Secret Police ausgeflippt. Er hat auch ein Duett mit einer bekannten chinesischen Sängerin gesungen und sie am Schluss auf die Wange geküsst. Da hat der ganze Saal die Luft angehalten. Udo hat sich das nicht überlegt und diese Freiheit rausgenommen, sondern es spontan gemacht. Das war wieder dieses 100-prozentige Engagement, was mich so an ihm fasziniert hat.“

Mittlerweile denkt Lienhard auch gerne an das gemeinsame Abendessen am Tag vor Udos Tod am 21. Dezember 2014 zurück: „Er war zwar 80 Jahre alt, aber dass er gestorben ist, kam so unerwartet. Wir sind ja gerade von einer Tour gekommen und er war bei dem Essen noch so lebendig und hat Pläne geschmiedet. Heute bin ich aber nicht mehr traurig, nur dankbar, dass ich das alles mit ihm erleben durfte, und dass wir jetzt noch ein letztes Mal sozusagen mit Udo spielen dürfen.“

„Das wird schon traurig“

An einer Stelle, gibt Lienhard zu, wird er in aber in Wien sicher doch wehmütig werden. „Dieses Lied ,Als ich fortging‘, das erst nach seinem Tod entdeckt wurde, ist immer sehr emotional für mich. Und Wien war ohnehin immer speziell für Udo. Da war er vor jedem Konzert zwar nicht nervös, aber er hatte eine gesunde Anspannung. Er hat zwar in der Schweiz gelebt, aber Wien war sein Heimspiel. Er hatte da viele Freunde und eine Wohnung in der Nähe vom Stadtpark und dem Johann-Strauß-Denkmal, wo er nach jedem Konzert, die Blumen hinbrachte, die er von den Fans bekommen hatte. Dort ,Als ich fortging‘ zum letzten Mal zu spielen, wird schon sehr traurig werden.“

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