Ein Tag mit Freunden: Jeanette Turner (Chiara Aurelia, Mitte) feiert ihren 15. Geburtstag. Danach wird sich vieles ändern.

© Freeform/Amazon Prime Video/Bill Matlock

Kultur
08/06/2021

"Cruel Summer" und der wunderschöne Klang eines 56k-Modems

Die in den den Neunzigern angesiedelte Serie "Cruel Summer" (Prime Video) überzeugt mit Spannung und Nostalgiefaktor.

von Marco Weise

Aus dem Radiowecker dringt die Stimme von Gabrielle: „They can come true“. Die britische Sängerin singt von „Dreams“, also Träumen, von denen auch Jeanette Turner (Chiara Aurelia) so einige hat. Geweckt wird sie am 21. Juni, am Tag ihres 15. Geburtstags, aber nicht von diesem Song, sondern von ihren Eltern, die bereits in ihrem Zimmer stehen: Happy Birthday!

Diese Szene ist der Beginn der Serie „Cruel Summer“, die über drei Jahre (1993, 1994, 1995) und zehn Folgen die bereits eingangs erwähnte Teenagerin Jeanette begleitet und dabei ihre Verwandlung zeigt – von der schüchternen, aber liebenswerten Außenseiterin über ein populäres Highschool-Girl bis hin zum sozial geächteten Freak. Diese 360-Grad-Wende passiert aber nicht Schritt für Schritt, Folge für Folge, sondern oftmals Szene für Szene. Das mag jetzt zwar vielleicht etwas anstrengend, komplex und kompliziert klingen, ist es aber nicht. Denn als Zuseher weiß man stets, in welchem Jahr man sich gerade befindet.

Die Welt steht am Kopf

Jeanette Turner wird 15, wird 16, wird 17: Der Busen wächst, die Zahnspange verschwindet, die Hormone spielen Krieg. Was drei Pubertätsjahre so alles ausmachen und anrichten können, zeigt die von Schauspielerin Jessica Biel mitproduzierte Serie „Cruel Summer“ (ab heute, Freitag, via Amazon Prime Video abrufbar) in zehn spannenden wie fesselnden Folgen.

Was zuerst nach einer Coming-of-Age-Geschichte aussieht, kippt rasch in Richtung Psycho-Thriller. Denn Jeanettes Aufstieg geht mit dem Verschwinden ihrer Konkurrentin Kate (Olivia Holt) einher – sie wird entführt und ein Jahr lang gefangen gehalten. Die Ereignisse werden abwechselnd aus Jeanettes und Kates Perspektive erzählt, womit viele Fragen auftauchen: Wusste Jeanette tatsächlich, wo sich die entführte Kate befindet? Wenn ja, warum hat sie es niemandem erzählt? Oder hat sich Kate das alles nur aus Rache ausgedacht, weil Jeanette etwas mit ihrem Freund hatte?

Zombie

Die Geschichte in den 90er-Jahren anzusiedeln, ist natürlich clever. Das Jahrzehnt – und alles, was es an Mode, Lifestyle und Musik hervorgebracht hat – ist derzeit ja bei den Jugendlichen wieder total angesagt: XXL-Flanellhemden, bauchfreier Denim-Look, Bauchtaschen, Plateau-Sneaker. Die Serie bietet also auch reichlich Stoff für Nostalgie und Sehnsucht. Der Soundtrack ist großartig, vor allem für jene, die ihre ersten Partyerfahrungen mit „Zombie“ von The Cranberries gemacht haben, noch wissen, wo sie am Tag von Kurt Cobains Tod waren und sich an das damals noch unfassbar laaaangsame Internet erinnern können; wissen, wie es klingt, wenn man sich mit einem 56k-Modem ins World Wide Web einwählt: „Piep piep, tüüüüüüt tüüüüüüüüt, schkrrrrr schkrrrrr“.

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