Bussi, Bussi: Vladimir Putin besucht seine ehemalige Schullehrerin

© Crossing Europe

Kultur
04/26/2019

Crossing Europe: Putin besucht seine ehemalige Schullehrerin

Das profilierte Filmfestival Crossing Europe in Linz zeigt handverlesenes, europäisches Autorenkino.

von Alexandra Seibel

In Linz müsste man sein. Dort findet gerade das Filmfestival Crossing Europe (bis 30. April) statt, das unter der Leitung von Christine Dollhofer einen repräsentativen Querschnitt durch das zeitgenössische europäische Filmschaffen bereithält. Auch in der 16. Ausgabe wird mit zahlreichen Österreich-Premieren und internationalen Gästen aufgewartet, die sich gerne in Publikumsdiskussionen verwickeln lassen.

Für interessanten Gesprächsstoff dürfte jedenfalls eine bemerkenswerte Doku sorgen, die in Österreich ihre Premiere feiert: „Putin’s Witnesses“ (Samstag, 16.00; Sonntag 11.00 Uhr) nennt Vitaly Mansky seine verblüffenden Aufnahmen von Putins erstem Jahr als russischer Präsident. Mansky selbst war zu diesem Zeitpunkt Dokumentarfilmchef eines staatlichen Senders und erhielt uneingeschränkten Zugang zum inneren Zirkel der Führung. Heute sitzt er im lettischen Exil und griff dort auf seine Videoaufnahmen zurück, um noch einmal die Ereignisse von Putins Machtübernahme zu rekapitulieren.

„Die Menschen sollen alles glauben, was wir sagen und tun“, deklamiert Putin gleich zu Beginn in die Kamera, nachdem Boris Jelzin ihm in der Silvesternacht 1999 überraschend das Amt übergeben hat. Dieser freundlich hinformulierte Satz bekommt im Nachhinein einen prophetisch-drohenden Unterton.

Abgebusselt

Mansky begleitet Putin auf all seinen öffentlichen Wegen und sieht etwa dabei zu, wie Putins ehemalige Lehrerin – eine gerührte Matrone – ihren früheren Schüler hemmungslos abbusselt. Bedrückender schon der Besuch bei einem aufgedunsenen Boris Jelzin: Er wartet in der Wahlnacht vergeblich auf den Rückruf seines Nachfolgers.

Ebenfalls absolut sehenswert ist eine französische Doku, die auch ihre Weltpremiere feiert: „The Last of Them“ (Samstag, 18.30 Uhr; Montag, 11.00 Uhr) von Pierre Goetschel ist ein berührendes Filmdokument, in dem sich private Erinnerungen und grausames Weltgeschehen peinvoll verzahnen. Goetschel nimmt die handgeschriebenen Erinnerungen seiner Großmutter zum Ausgangspunkt, um über deren Aufenthalt in Auschwitz nachzuforschen.

Gleichzeitig ist er in Besitz eines farbenprächtigen Home-Movies aus den 60er-Jahren, das seine Großmutter mit anderen Auschwitzüberlebenden bei einem Wiedersehenstreffen zeigt. Eine dieser Damen lebt noch – und mit ihr gemeinsam beschreitet Goetschl den schmerzhaften Weg der Erinnerung.

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