Comeback von Unheilig: Der Graf sucht die Work-Life-Balance
„Ich bin ein riesiger Falco-Fan. Ich werde mich mein Leben lang daran erinnern, wie ich im Kleinen Café in Wien eine Album-Release-Party hatte und dachte, jetzt habe ich es geschafft, weil das Falcos Stammlokal war.“
Unheilig-Frontmann Der Graf erinnert sich gerne daran. Der 56-Jährige, der in den 10er-Jahren so erfolgreich den Bogen vom Deutschen Schlager zum Hard-Rock spannte und über drei Millionen Alben verkauft hat, ist Österreich-Fan. Das sei seine zweite Heimat, sagt er im KURIER-Gespräch. Er war oft mit seinen Eltern und zum Wandern hier und fühlte sich dabei rundum wohl.
Nach zehn Jahren Pause tritt er jetzt zum Comeback an, veröffentlicht Freitag das Unheilig-Album „Liebe Glaube Monster“. Das hängt auch zum Teil mit Österreich und der Pop-Musikerin Ness zusammen. Sie hatte mit Kontra K, Dem Grafen und dem Unheilig-Klassiker „Geboren um zu leben“ 2025 einen Hit.
Leben und Tod
„Anfang 2025 war ich fest überzeugt, es gibt kein Comeback“, erklärt Der Graf. „Dann kamen zwei Dinge zusammen: Ich war bei einem Herz-Kreislauf-Check, und weil mein Blutdruck exorbitant hoch war, dachte der Arzt, ich hätte einen stillen Herzinfarkt.“
Das war zum Glück nicht der Fall. Aber Der Graf bekam Angst: „Ich habe überlegt: Kann ich in diesem Leben noch alles tun, was ich will? Was will ich noch machen?“ Die Antwort war klar: Musik! Schon seit ein paar Jahren hatte er wieder Songs geschrieben, Ideen auf einem USB-Stick festgehalten. „Als ich mit dem ,eh alles okay“ von der Klinik nach Hause kam, sagte ich zu meiner Frau, wir sollten doch über ein Comeback nachdenken, ich werde meinen Manager anrufen. Sie sagte, du hast eh Post von ihm.“
Innen und Außen
Es war die Anfrage von Kontra K, die Neuauflage des erstmals 2010 veröffentlichten Songs ,Geboren um zu leben“ zu machen. „Das war so krass, denn ich hatte die Ness-Version schon vorher im Internet gefunden und gedacht, die singt das so schön, da müsste jetzt einer kommen und daraus eine Rap-Version machen“, erzählt Der Graf. „In dem Telefonat mit meinem Manager haben wir dann auch Möglichkeiten eines Comebacks besprochen. Ich wollte unbedingt wieder auf die Bühne, aber organisatorisch alles anders machen.“
An Themen und Songs für „Liebe, Glaube, Monster“ mangelte es nicht: „Das Album ist eine Reflexion über mein Leben von der Kindheit bis heute“, erklärt er. „Es gibt in jedem Song einen Bezug zu der Liebe, die ich erfahren durfte, zum Glauben an mich selbst und an andere und zu den Monstern, die mir immer wieder begegnen.“
Auch den Song „Brot und Spiele“ kann man Monstern zuordnen. Er spielt auf die Flucht vor der Realität an: „Viele Menschen schauen keine Nachrichten mehr, weil sie nur Schlechtes hören. Aber ich finde es wichtig, informiert zu bleiben und nicht in Computerspiele zu flüchten.“
Dass ihn die Informationen über die Welt hinunterziehen, verhindert Der Graf, indem er sie relativiert: „In den Nachrichten geht heute die Welt unter. Morgen ist eine große Sportveranstaltung und alle reden nur mehr davon, wer wie viele Tore schießt. Ich habe dabei immer im Hinterkopf, dass die Medien im Wechsel von Print zu Digital in einem Existenzkampf sind und die Informationen so aufbereiten, dass sie möglichst reißerisch sind und viele Klicks generieren.“
Mit „KI 01001011 01001001“ versetzt Der Graf sich in einen Menschen, der mit bösen Absichten mithilfe von KI einen täuschend echten Avatar kreiert. Sehr persönlich wird er in „Monster“, der auf seine Lehrer abzielt: „Sie sagten, du stotterst, such dir einen Job, wo du mit den Händen arbeitest, aber nicht reden musst. Ich dachte immer, ich will denen nicht recht geben. Heute stehe ich auf der Bühne, bin im Fernsehen und es geht. Man darf seine Träume nie verlieren und geistigen Kleingärtnern nachgeben, die dir eine antiquierte Lebensschablone auferlegen wollen.“
Karriere und Privates
Bei der Ankündigung, mit Unheilig Schluss zu machen, hatte Der Graf diese Träume nicht ganz verloren. Aber er hatte Probleme, weil die Band so schnell groß geworden war. Und er verlor 2016 einen seiner besten Freunde, der in Österreich beim Skifahren tödlich verunglückte.
„Ich dachte, wie viele Gelegenheiten, mit ihm zusammen zu sein, habe ich wegen der Karriere versäumt? Ich habe meine Frau in den Jahren 2011 und 2012 nur an zwei Tagen gesehen. Weil ich vorher zehn Jahre um den Erfolg gekämpft hatte, haben wir damals alle Auftritte gemacht, die möglich waren. Außerdem fühlte sich das Business zunehmend „wie ein Korsett“ für Den Grafen an.
„Auf der letzten Tour waren 70 Leute mit, die bei mir angestellt waren. Der Gedanke, wenn mir keine Songs mehr einfallen, sind sie arbeitslos, hat mich schwer belastet“, erzählt Der Graf. „Aber vor allem es ging zum Schluss nicht mehr darum, Musik zu kreieren, sondern nur mehr darum, wo und wie sie stattfindet. Man hat mir gesagt, ich soll noch einmal so etwas wie ,Geboren um zu leben", schreiben. Aber ich bin nicht Künstler geworden, um Musik so zu machen, wie andere Leute sie haben wollen.“
- Das Album „Glaube Liebe Monster“ stieg vergangene Woche auf Platz 1 der deutschen und österreichischen Albumcharts ein.
- Konzerte 2026 Unheilig treten am 26. 6. in Graz und am 27. 6. auf Burg Clam auf. Beide Konzerte sind ausverkauft.
- Konzerte 2027 Tickets gibt es noch für den 26. und 27. 2. 2027 in Wien und Innsbruck.
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