© Schreiner/Moritz Schell

Kultur
11/11/2020

Clemens Maria Schreiner: Hochkomische Kleinkunst, einmal ums Eck gedacht

Der Gewinner des Österreichischen Kabarettpreises 2020 im Interview.

von Werner Rosenberger

Was kann man überhaupt noch glauben? „Die News sind fake, die Fakten alternativ – und die schwärzesten Schafe tragen die weißesten Westen“, heißt es im achten Solo „Schwarz auf Weiß“ von Clemens Maria Schreiner.

Für ihn ist das Grau dazwischen das neue Bunt. Und der neuerliche Lockdown frustrierend: „Weil sich die Leute im Sommer doch sehr gefreut haben, dass wieder etwas live passiert in der Kultur.“

„Da ist auch Streaming nur eine Notlösung“, sagt der 31-Jährige im KURIER-Gespräch nach seiner Erfahrung mit der Einsamkeit des Humoristen vor der Webcam in „Quabarätt live“ auf YouTube. „Weil mir das Feedback des Publikums fehlt.“

Fakt oder Fake?

In Leoben – zufällig – geboren, in Graz aufgewachsen, hat er dort im Theatercafe erstmals Kabarettisten erlebt, „die nur mit eigenen Ideen und ihrer Persönlichkeit ein Publikum einen Abend lang fesseln können“.

Seine Generation umschreibt er mit „zu jung fürs Burn-out und zu faul für Amok“. Sie hat viele Wahlmöglichkeiten, ausgesetzt dem Segen und Fluch von Internet und Smartphone.

2016 debütierte er im ORF-TV-Format „Was gibt es Neues?“ Zuletzt moderierte er die ORF-1-Show „Fakt oder Fake“, von der im Dezember, wenn Corona es zulässt, acht Folgen der zweiten Staffel gedreht werden sollen.

„Das ist ein witziger Wegweiser durch den Informationswirrwarr“, so Schreiner. „Ist dieses Video wirklich echt? Ist an der Volksweisheit etwas dran? Prominente Gäste zerbrechen sich den Kopf – damit die Köpfe des Publikums ganz bleiben können. Wir klären mit viel Humor die wichtigste Frage unserer Zeit: Fakt oder Fake?“ Auch das Thema von „Schwarz auf Weiß“, heuer mit dem Österreichischen Kabarettpreis ausgezeichnet.

„Doppelbödige Botschaften sind Markenzeichen seiner Programme“, befand die Jury. „Raffiniert konstruierte, humoristisch wertvolle und dabei stets hochkomische Kleinkunstwerke.“

Schreiners Verständnis von Kabarett? „Es muss unterhaltsam sein, nicht unbedingt mit 20 Pointen pro Minute, weil Unterhaltung auch ohne Schenkelkopfer funktionieren kann. Aber andererseits muss es um Themen gehen, die mich auch selber beschäftigen.“

Staubsaugerroboter, Globalisierung und Glückskekse. Oder Technik, künstliche Intelligenz und Automatisierung wie im Solo „Immer ich“.

Er beschäftigt sich „gerne mit ganz trockenen Sachen“ und denkt sie „einmal ums Eck“. Etwa spontan im Gespräch über die Folgen der vielen durch den Lockdown abgesagten Martini-Gansl-Essen: „Was heuer nicht auf den Wirtshaustisch kommt, könnte 2021, aus Gefrierfächern serviert, zu einem Qualitätsabfall führen und als schlechter Gansl-Jahrgang in die Geschichte eingehen“, wenn der „Gansl-Sommelier“ geschmäcklerisch urteilt: rustikal im Abgang.

Die Verleihungsgala des Kabarettpreises mit Schreiner (Hauptpreis), Magda Leeb (Förderpreis), Hosea Ratschiller (Programmpreis) und KURIER-Karikaturist Michael Pammesberger (Sonderpreis) ist für 8. 12. (19:30 Uhr) im Globe Wien vorgesehen. Die TV-Aufzeichnung für 18. 12. auf ORF 1.

Ob Schreiner aber am 1. 12. wieder auf seiner Lieblingsbühne, dem Niedermair, stehen wird, weiß wohl nur der liebe Gott und der Bundeskanzler. „Bei einem von beiden“, so Schreiner, „bin ich mir nicht sicher“.

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