Kultur
12.02.2019

Christian Bale: „Du wirst bald sterben, wenn du so weitermachst“

Christian Bale („Batman“) kommt mit „Vice“ als Dick Cheney zur Berlinale

Er habe sich gefühlt „wie ein Bulldozer“, sagt Christian Bale über seine Rolle als Ex-US-Vizepräsident Dick Cheney: „Wie eine Naturgewalt, die sich von nichts aufhalten lässt.“

Genauso hat es auch gewirkt. Zwanzig Kilo hatte sich der britische Oscarpreisträger an die Rippen geheftet, um den republikanischen Massiv-Politiker gebührend zu verkörpern. Wenn Bale als Dick Cheney in Adam Mckays flottem Bio-Pic „Vice“ seinen gewaltigen Leib zur Tür herein schiebt, treten alle instinktiv zur Seite.

Bei ihrem Besuch in Berlin bringen der Brite Bale und sein amerikanischer Regisseur Adam McKay etwas Glanz in die weitgehend Star-lose Berlinale. Zwar läuft „Vice“ außer Konkurrenz, fühlt sich aber an wie ein schöner Gruß aus dem liberalen Hollywood, dessen Produktionen heuer kaum nach Berlin fanden.

Den Aufstieg des Dick Cheney, einem skrupellosen Architekten des Irak-Krieges, erzählt McKay wie die Spielfilmversion einer Michael-Moore-Doku: Zügig, unterhaltsam und mit klarer politischer Botschaft.

Dabei fängt die Karriere des Dick Cheney, der sich zu einem der mächtigsten Männer der USA entwickelte, eher mau an. Der junge Cheney sauft und rauft und wird aus seiner Elite-Uni geworfen. Es ist seine Frau Lynne Cheney, – als eiserne Karrieristin toll gespielt von Amy Adams – die den verlotterten Loser in ein Herzstück der Republikaner verwandelt.

Machtfülle

„Hätte es sie nicht gegeben, wäre Cheney wahrscheinlich ein glücklicher Demokrat auf einer Farm in Wyoming geworden, und wir hätten uns den Irak-Krieg erspart“, mutmaßt McKay bei der Pressekonferenz in Berlin, nur halb im Scherz.

Cheneys Gang durch die Politinstitutionen Washingtons, seine Freundschaft mit Donald Rumsfeld und schließlich seine Beraterfunktion von Präsident George W. Bush erzählt McKay mit oft heiterem Unterton, aber unerbittlicher Faktenlage. Besonders unheimlich erscheint dabei Cheneys Verfechtung der „einheitlichen Machtfülle“, die dem US-Präsidenten (beziehungsweise seinem Vize) praktisch uneingeschränkte Macht einräumt. Als Mann im Schatten, diktiert Cheney dem ahnungslosen Busch die Politentscheidungen.

Er habe nichts zu bereuen, sagt der Politiker am Ende von „Vice“ direkt in die Kamera: „Ich habe getan, wofür mich das Volk auserwählt hat.“

Christian Bale kann das nicht ganz glauben: „Ich frage mich, ob er nicht Albträume hat und ihn in der Nacht die Geister all jener besuchen, die aufgrund seiner Politik ihr Leben verloren haben.“

Donald Trump habe sich bislang übrigens noch nicht zu dem Film geäußert – „und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass er ihn sich ansieht. Er ist ihm sicher zu lang“, mutmaßt McKay.

Für ihn stelle ein Politiker-Typus wie Trump das Resultat einer Politik dar, die seit den Reagan-Jahren am Werken ist. Und nein, er habe keine Lust, einen Film über Donald Trump zu machen.

Auch Christian Bale sieht große Unterschiede zwischen Trump und Cheney: Letzterer habe gewusst, dass wahre Macht hinter den Kulissen und in der Stille zu finden sei.

Sein Schwergewicht hat Bale übrigens wieder abgeworfen. Gefragt, was sein Körper zu all dem Zu- und Abnehmen sage, meinte er: „Er schreit ganz laut: Du wirst bald sterben, wenn du so weitermachst.“