© Robert Kushner

Kultur
02/22/2019

Bunt, aber weiß: „Pattern and Decoration“ im mumok

Das mumok präsentiert eine US-Kunstbewegung der 1970er, die auf Verzierung setzte.

Freunde der Moderne müssen heutzutage stark sein. Die Epoche, die einst (unter vielen anderen Dingen) eine Besinnung der Kunst auf ihre abstrakten Qualitäten hervorbrachte, steht in vielen Museen unter Beschuss.Die „Verschärfung der selbstkritischen Tendenz, die mit dem Philosophen Immanuel Kant begann“, hat sich gegen jene gerichtet, die einst diese Verschärfung predigten: Clement Greenberg, der mit obigem Zitat den ,Modernismus’ definierte, war ein selbstgerechter Kritikerpapst, Adolf Loos, der 1908 gegen das Ornament wetterte, bediente damit auch rassistische Ressentiments.

Während nun der Designer Stefan Sagmeister in seiner Heiße-Luft-Ausstellung „Beauty“ im Wiener MAK noch bis 31.3. auf ärgerlich populistische Art gegen Loos antreten darf, besinnt sich das mumok auf die jüngere Kunstgeschichte und auf seine eigene Sammlung: Unter dem Titel „Pattern and Decoration“ wurden Exponate jener Kunstrichtung hervorgekramt, die in den 1970ern gegen die puristische Ideologie in der US-Kunst auftrat und damit auch feministische Anliegen vertrat.

Mauerblümchen

Das Sammlerpaar Peter und Irene Ludwig konnte sich für die Bewegung, die von einer organisierten Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern getragen wurde, erwärmen und kaufte Werke von Miriam Schapiro, Joyce Kozloff, Kim MacConnel oder Robert Kushner an. Der Bestand, sonst auf Museen in Aachen und Wien verteilt, wird nun geballt präsentiert.

Die Anliegen der Bewegung werden dabei nachvollziehbar: Alles ging gegen den Modernismus, der mit seiner Ablehnung des Dekorativen ganzen Kulturzweigen ihre Relevanz absprach.

Indem die „Pattern and Decoration“-Bewegung (kurz P & D) Töpferei, Näherei oder Teppichknüpfen begrüßte, setzte sie sich auch für eine Aufwertung traditionell als „weiblich“ definierter häuslicher Tätigkeiten ein. Indem Ornamente aus asiatischen oder arabischen Kulturkreisen an Galeriewände kamen, propagierte man einen Blick über den westlichen Kulturkreis hinaus.

Um so überraschender sticht ins Auge, dass bei allen Beteuerungen der Inklusion afroamerikanische Kultur überhaupt keine Rolle spielte: Die an Kunsthochschulen ausgebildeten Mitglieder der Bewegung waren alle weiß. Und obwohl sie Maler wie Romare Bearden verehrten, war ihnen afroamerikanische Kultur sonst nicht präsent, wie der zur Eröffnung angereiste Künstler Robert Kushner auf Nachfrage sagt.

Verschnörkelt, aber farbenblind

Dass die Anthropologin Zora Neale Hurston in einem einflussreichen Aufsatz bereits 1934 den „Willen zur Verzierung („the will to adorn“) als Charakteristikum afroamerikanischen Ausdrucks definiert hatte, war wohl untergegangen: Man suchte lieber in der Ferne als vor der Haustüre nach Inspiration.

Das mumok hat mit „Pattern and Decoration“ also keineswegs die Lieblichkeit und den Multikulturalismus neu entdeckt, sondern eine im Kern recht akademische Bewegung mit einigen blinden Flecken. Als Hintergrund für heutige Debatten ist sie nichtsdestotrotz interessant. Einem in der modernistischen Wolle gewaschenen Betrachter fällt es dennoch schwer, die im Museum versammelten Blümchenmuster und Stoffmalereien rückhaltlos zu bewundern.

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