Kultur
06/14/2019

Bierlein in der ZiB2: Äußerst beredtes Schweigen

Im ersten großen TV-Interview war nicht viel Belastbares aus Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein herauszuholen. Lou Lorenz-Dittlbacher bemühte sich redlich.

*Disclaimer: Das TV-Tagebuch ist eine streng subjektive Zusammenfassung des TV-Abends.*

Brigitte Bierlein gab also ihr erstes großes Interview als Bundeskanzlerin. Nach ihren ersten zehn Tagen im Amt gab es unter Journalisten schon ein leichtes Grummeln, von etwas allzu viel Zurückhaltung bei Medienkontakten war da die Rede.

Nun war auch in der ZiB 2 nicht viel Belastbares aus der Neo-Politikerin herauszuholen, aber zum Glück behübschte Bierlein – ganz Nicht-Politikerin – das Wenige nicht auch noch mit typischen Politiker-Sprechblasen. Entsprechend kurz und knapp fielen die meisten Antworten aus. Um es gleich vorwegzunehmen: Über eine Langfassung des Interviews musste der ORF diesmal gar nicht erst nachdenken.

23 Fragen

Ganz im Gegenteil: Interviewerin Lou Lorenz-Dittlbacher schien sehr darauf bedacht zu sein, nicht bereits vor dem Ende des viertelstündigen Gesprächs ohne Fragen dazustehen. Daher fielen ihre 23 Fragen oft länger als die Antworten Bierleins aus. Lorenz-Dittlbacher musste also ein bisschen auf Tarek Leitner machen. Dessen ausführlicher Fragestil wurde zum Beispiel bei den ORF-Sommergesprächen im Jahr 2017 medial diskutiert.

Nicht auszudenken, es wären keine Fragen mehr vorhanden gewesen. Wäre dann etwa am Ende noch Bierleins Halsschmuck besprochen worden? Natürlich nicht. Wir tun das hier auch nicht.

Daher zum Inhalt des Interviews: Von der Antragsflut der Parlamentsparteien sei sie bei ihrer ersten Plenarsitzung "natürlich etwas überrascht gewesen", sagte Bierlein. Auf die Nachfrage hin, ob die Überraschung positiv oder negativ gewesen sei, blieb sie diplomatisch und wiederholte: "Ich war überrascht."

"Nicht richtig interpretiert"

Wenn in Porträts von ihrer Nähe zu ÖVP und FPÖ die Rede sei, fühle sie sich "nicht richtig interpretiert" Sie sei seit 1972 Juristin, Parteipolitik sei da "nie ein Thema" gewesen. Sie sei konservativ geprägt, das sei richtig, "aber sicher nicht eindeutig irgendwo einordenbar“.

Eine klarere Antwort gab es auf die Frage, ob sie sich als erste Kanzlerin als Vorbild für Frauen sehe: "Ich finde, dass es selbstverständlich sein sollte, dass alle Positionen ebenso von Frauen ausgeübt werden können wie von Männern.“

Lorenz-Dittlbacher setzte hier wieder nach. Das sei aber in der Realität nicht so, warum?

Bierlein: "Vielleicht interessieren sich Männer mehr für Politik, die Qualifikationen sind die gleichen."

Gefragt nach dem Kickl-Sager, wonach das Recht der Politik zu folgen habe, sagte die ehemalige VfGH-Präsidentin: Sie sehe den Rechtsstaat nicht in Gefahr, er stehe "auf einem festen Fundament, die Bundesverfassung bewährt sich." Einzelmeinungen von Politikern werde sie nicht kommentieren.

Würde jemand in ihrem Kabinett diese Meinung vertreten, was würde sie tun, fragte die Interviewerin.

Bierlein, knapp aber deutlich: "Ich würde entsprechend handeln."

"Also, Sie würden es nicht akzeptieren?"

Äußerst beredtes Schweigen.