© Wiener Staatsoper / Michael Pöhn & APA/Neumayr/MMV

Nachtkritik
04/12/2014

Buhs für "Lohengrin" im Gasthaus

Die Wagner-Oper wird in Wien zur Klischee- und Kitschrevue, die Besetzung ist unausgewogen.

von Gert Korentschnig

Die "Lohengrin"-Produktion aus dem Jahr 2005 von Barrie Kosky war szenisch ein riesengroßer Flop. Aber durch diese Neuinszenierung hätte man sie zumindest aus optischen Gründen nicht zwingend ersetzen müssen.

Seit Samstag ist an der Wiener Staatsoper die romantische Oper von Richard Wagner in der Inszenierung von Andreas Homoki zu sehen. "Lohengrin" spielt in einem Wirtshaus, einer Art Münchener Hofbräuhaus. Alle Protagonisten sowie der Chor tragen Tracht. Es soll offenbar eine präfaschistische, führeranfällige Gesellschaft dargestellt werden – was wieder einmal ins Klischee kippt und eine Beleidigung für das Kleidungsstück der Tracht ist.

"Lohengrin" wird szenisch als Kitsch-Oper gezeigt, ohne aber den tieferen Sinn auszuloten. Dass es heftige Buhs für die Regie gab, war nur allzu verständlich.

Was den Dirigenten betrifft, hatte es im Vorfeld gleich zwei Umbesetzungen gegeben. Ursprünglich war Christian Thielemann vorgesehen, der auf Grund des Engagements bei den Osterfestspielen absagen musste. Zuletzt zog sich dann Bertrand de Billy wegen mangelnder Unterstützung bei der Durchsetzung der kompletten Fassung zurück. So stand nun Mikko Franck am Pult, der mit Hingabe und kraftvoll agiert, das Orchester zu wunderbaren Klängen animiert, manches aber durch zu starke Attacken überlagert.

Klaus Florian Vogt singt den Lohengrin unverwechselbar lyrisch, in einigen Momenten vermisst man Heldisches in der Stimme. Camilla Nylund ist eine Elsa mit starkem Vibrato, Michaela Martens eine dramatische, nicht durchgehend präzise Ortrud. Wolfgang Koch ist als Telramund markant, durchschlagskräftig und der Beste, gefolgt von Günther Groissböck (Heinrich). Indiskutabel Heerrufer Detlef Roth.

Szenenfotos der Oper

Arabella" war diesmal eher eine "Zdenka

Nachtkritik. "Arabella" in Luxusbesetzung, mit Renée Fleming als Arabella und Thomas Hampson als Mandryka. Christian Thielemann am Pult der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Das lässt sich, allein der Papierform nach, als sichere Bank verbuchen. Und doch gab es bei den Salzburger Osterfestspielen am Samstag eine Opernüberraschung: Denn Hanna-Elisabeth Müller als intensive Zdenka wurde, neben dem herausragenden Strauss-Klang des Orchesters, zum eigentlichen Highlight des Abends. Sie erntete nach einer herausragenden Darbietung letztlich den meisten Applaus (der für den insgesamt soliden Abend recht bündig ausfiel). Fleming, vor allem auch Hampson verfingen sich ein wenig in der Erwartungsfalle: Beide lieferten das, was man erwartete, ohne zu jenen letzten Nuancen zu finden, die begeistern.

Verblassend

Die Produktion selbst fand ebenfalls zu wenig Außergewöhnlichem: Regisseurin Florentine Klepper versetzte die Handlung in den verblassenden Zeitenwende-Charme des Wiener Fin de siècle, der Zeit also von Freud, Schnitzler, Jugendstil. So wird dann auch der Abschied Arabellas von der Mädchenzeit zum Traum (aber ohne allzu viel Deutung): Die Kulissen, die bis dahin gute Dienste dabei leisteten, ins Große Festspielhaus ein Strauss-Kammerspiel zu platzieren, gingen hoch – und gaben den Blick hinter die Fassade frei. Dahinter lauerte das, was man zur Jahrhundertwende als Abgrund empfand: die Lust und die Maske und ein Tanzbär. Da hätte ein wenig tiefere Analyse gut getan.

Szenenfotos der Oper

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.