© Claudia Rohrauer

Literatur
03/09/2021

Buchkritik: Mieze Medusas Aufforderung "Du bist dran"

Drei Welten in einem Roman: Bei den kurzen Sätzen fällt das Wohlfühlen allerdings schwerer

von Peter Pisa

Männer weichen selten aus. Sie weichen auf der Straße nicht aus, wenn ihnen eine Frau entgegenkommt. Deshalb ist sie in den nächsten Mann hineingerannt.

War eine gute Wahl.

„Sie“ ist eine Frau aus der 68er-Bewegung. Ihre Welt wird mit der Welt einer 18-jährigen Schulabbrecherin mit Migrationshintergrund zusammen kommen, die keine Rosinen mag, aber Beyoncé. Mit ihr singt sie: „Who run the world? Girls!“

Trotzdem ist ein Mann der Dritte im Bunde. Einer, der immer am Computer sitzt, mittleres Alter. Er plappert: „Meinem Schwanz geht’s gut. Danke der Nachfrage.“ Aber das stimmt freilich nicht.

Die Leser sollen sich wohlfühlen bei den sympathischen Außenseitern, und dann, so könnte man den Buchtitel verstehen, dann soll man es ihnen nachmachen, denn allein ist man nicht stark genug für dieses Leben.

Mieze Medusa (Foto oben) mag in „Du bist dran“ kurze Sätze. Zitat:

„Sie lacht.

Ich lache.

Läuft gut.“

Na ja. Es könnte anders laufen. Denn zum Wohlfühlen eignen sich lange Sätze besser. Darin könnte man sich kuschelig einwickeln. Der Autorin aber war wichtiger, dass ihr Roman manchmal so ähnlich klingt wie ein von der Bühne heruntergesprochener Text eines Wettdichtens.


Mieze Medusa:
„Du bist dran“
Residenz
Verlag.
256 Seiten.
22 Euro

KURIER-Wertung: *** und ein halber Stern

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