© Theater an der Wien/Monika Rittershaus

Kritik
10/18/2021

"Peter Grimes" im Theater an der Wien: Wunschloses Opernunglück

Umjubelten Inszenierung von Christof Loy feierte Premiere.

von Peter Jarolin

Im Jahr 2015 feierte diese Produktion im Theater an der Wien ihre Premiere und wurde zu einem der größten Erfolge der sich allmählich dem Ende zuneigenden Ära von Intendant Roland Geyer. Ein frenetisch jubelndes Publikum, hymnische Kritiken und den Opera Award für die international (!) beste Aufführung des Jahres – Christof Loys Umsetzung von Benjamin Brittens Meisterwerk „Peter Grimes“ setzte einen längst legendären Meilenstein der jüngeren Musiktheatergeschichte.

Und das auch heute noch. Denn in seiner letzten Saison hat Geyer drei fabelhafte Aufführungen nochmals ins Theater an der Wien zurückgebracht. Nach Claus Guths szenischer Umsetzung von Händels Oratorium „Saul“ sowie Robert Carsens hinreißender Adaption von Rameaus „Platée“ ist jetzt (nur noch bis 25. Oktober) „Peter Grimes“ an der Reihe; wieder ein Siegeszug.

Denn das sehr prominent besetzte Premierenpublikum hat auch diesmal die enorme Qualität des Unterfangens erkannt, es gab minutenlange Ovationen für alle Beteiligten.

Beklemmend gut

Warum? Ganz einfach, hier wurde alles richtig gemacht. Das beginnt bei Christof Loys beklemmend guter Regie. Ein Bett und ein paar Stühle (Bühne: Johannes Leiacker, die zeitgenössischen Kostüme stammen von Judith Weihrauch, für die tolle Lichtregie ist Bernd Purkrabek zuständig) – viel mehr braucht Loy nicht, um das Drama des homosexuellen Fischers und Außenseiters Peter Grimes umzusetzen.

Was Britten – er schrieb die Titelpartie für seinen Lebenspartner Peter Pears – in seinem Werk nur andeutet, wird bei Loy explizit gezeigt.Ob Grimes schuldig am Tod seiner jungen Gehilfen ist oder nicht, bleibt bei Loy in der Schwebe. Tendenz: Ja!

 

Vor allem aber zeigt Loy drei Menschen, die an einer bornierten Gesellschaft zerbrechen. Grimes, der letztlich auf See untergeht, die ihn hoffnungslos liebende Lehrerin Ellen Orford und der sexuell zumindest ambivalente Kapitän Balstrode – ihr Unglück wird präzise seziert.

 

Auch in musikalischer Hinsicht. Denn der großartig singende Tenor Eric Cutler ist als Grimes ein stimmkräftiges, trauriges, zu Gewalt neigendes Riesenbaby. Die Sopranistin Agneta Eichenholz gibt eine Ellen Orford zum Niederknien und Andrew Foster-Williams ist ein auch vokal brillanter Balstrode.

Dazu kommen ein ganz starkes Ensemble (u. a.: Hanna Schwarz, Rupert Charlesworth, Rosalind Plowright oder der tolle Tänzer Gieorgij Puchalski), der gewohnt exzellente Arnold Schoenberg Chor sowie das ORF Radio-Symphonieorchester Wien, das unter der Leitung des jungen Dirigenten Thomas Guggeis zur Höchstform aufläuft. Brittens so großartiger Klangkosmos wird in jedem Detail erfahrbar.

 

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