Britischer Dramatiker Tom Stoppard ist tot
Zusammenfassung
- Der britische Dramatiker und Oscar-Preisträger Tom Stoppard ist im Alter von 88 Jahren gestorben.
- Stoppard wurde in der heutigen Tschechischen Republik geboren, floh mit seiner Familie vor den Nazis und wurde später erfolgreicher Bühnen- und Drehbuchautor, u.a. von "Rosenkranz und Güldenstern sind tot" und "Shakespeare in Love".
- Er schrieb zahlreiche Theaterstücke, arbeitete an Hollywood-Drehbüchern mit und heiratete 2014 Sabrina Guinness.
Er ist bekannt für Theaterstücke wie „Rosenkranz und Güldenstern sind tot“ oder „Leopoldstadt“. Für das Drehbuch zum Film „Shakespeare in Love“ erhielt er einen Oscar. Und im Oxford English Dictionary ist sein Stil sogar mit einem eigenen Adjektiv gewürdigt: Stoppardian. Nun ist der britische Dramatiker Tom Stoppard im Alter von 88 Jahren in seinem Zuhause in der englischen Grafschaft Dorset verstorben.
Stoppard werde für „seine Werke, für ihre Brillanz und Menschlichkeit“, aber auch für „seine Großzügigkeit und seine tiefe Liebe zur englischen Sprache“ in Erinnerung bleiben, heißt es in einem Statement seiner Agentur.
Vom Schulabbrecher zum preisgekrönten Dramatiker
Geboren wurde Stoppard 1937 als Tomáš Straussler im tschechischen Zlín. Sein Vater war ein jüdischer Arzt, der im Betriebskrankenhaus des Schuhkonzerns Bata arbeitete. Die Familie gelangte zu Beginn des Zweiten Weltkrieges zunächst nach Singapur und später nach Indien. Nach dem Tod des Vaters heiratete die Mutter einen englischen Offizier, es kam zum Umzug nach Großbritannien.
Mit 17 brach Stoppard die Schule ab und begann, für eine Zeitung in Bristol zu schreiben. Parallel dazu verfasste er Bühnenstücke. Sein erstes, „Der Spleen des George Riley“, wurde 1964 in Hamburg uraufgeführt. Eines seiner erfolgreichsten war jedoch „Rosenkranz und Güldenstein sind tot“ (1967), ein Drama über die beiden Freunde Hamlets aus William Shakespeares berühmter Tragödie. Daniel Radcliffe ("Harry Potter") stand darin im Frühjahr 2017 im Old Vic London als Rosenkranz auf der Bühne. Es folgten u. a. „Das einzig Wahre“ (1982), „Arkadien“ (1993) und „Invention of Love“ (1997).
Retter von Drehbüchern
Stoppard war aber nicht nur fürs Theater tätig: Regelmäßig wurde er von Hollywood gebeten, Drehbücher aufzupeppen – etwa für Tim Burtons „Sleepy Hollow“ oder „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“. Auch für „Schindlers Liste“ wurde er von Steven Spielberg konsultiert: Wie Stoppard in einem Interview mit dem Guardian verriet, stand er unter der Dusche, als das Telefon klingelte. Nackt dastehend lieferte er eine zündende Idee für den Film. Er selbst schrieb mit Marc Norman das Skript zu „Shakespeare in Love“ mit Gwyneth Paltrow, wofür es 1999 auch einen Oscar gab.
Für Film und Fernsehen adaptierte er bekannte Romane wie „Enigma“ (2001) und „Anna Karenina“ (2012). 2014 schrieb er das Skript für „Tulpenfieber“ nach dem gleichnamigen Roman von Deborah Moggach.
Deutsche Theaterpremiere in Wien
Erst spät erfuhr Stoppard vom Schicksal seiner jüdischen Familie – viele seiner Verwandten wurden in Konzentrationslagern umgebracht. Mit seinen Wurzeln beschäftigte er sich auch in seiner Arbeit, u. a. in „Leopoldstadt“ (2020). Darin erzählt er die Geschichte einer jüdischen Wiener Großfamilie von 1899 bis 1955. 2022 fand im Theater in der Josefstadt die deutschsprachige Erstaufführung statt. Das Stück wurde mit einem Tony Award ausgezeichnet, im Laufe seiner langen Karriere erhielt er insgesamt fünf der begehrten Preise.
1997 wurde er für seine Verdienste im Bereich der Literatur von Queen Elizabeth II. zum Ritter geschlagen. 2014 heiratete Stoppard ein drittes Mal – Sabrina Guinness, eine der Erbinnen der irischen Brauerei-Familie. Er hinterlässt vier Söhne, darunter den Schauspieler Ed Stoppard („Der Pianist“) und seine Ehefrau.
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