Kultur
01/07/2019

"Black & Proud": Comic-Chronik der afroamerikanischen Musik

"Black & Proud": Ein informativer, schön gestalteter Überblick über die afroamerikanische Musik.

„In den Negermelodien Amerikas entdeckte ich eine große und edle Schule der Musik“, zeigte sich der tschechische Komponist Antonín Dvorák nach seinem Aufenthalt in Amerika in den Jahren 1892 bis 1895 vom Gesehenen und Gehörten begeistert. Dieses Zitat steht am Eingang des wunderschön gestalteten Buchs „Black & Proud – Vom Blues zum Rap“ (Avant-Verlag), das der afroamerikanischen Musik ein Denkmal setzt.

Auf 176 Seiten ackern sich der Autor Hervé Bourhis und der Zeichner Brüno – freilich ohne Anspruch auf Vollständigkeit – mit viel Fachwissen und Herzblut durch die Musikgeschichte: von den ersten Arbeitsliedern, der ersten Erwähnung des Wortes „funky“ (das „muffig“ bedeutet) bis zu aktuellen Chartstürmern wie Beyoncé.

Ab 1945 bis einschließlich 2015 wird jedem Jahr eine Doppelseite gewidmet. Zu sehen ist jeweils ein musikalischer Meilenstein, der diesem Jahr den Stempel aufgedrückt hat. Das zu sehende Plattencover wurde liebevoll nachgezeichnet und ist mit Fakten zur Entstehung der Songs angerichtet. Das ist nicht nur für Connaisseure spannend.

Die Plattenauflistung reicht von „Caldonia“ von Louis Jordan & His Tympany Five bis zu Kendrick Lamars hochpolitischem „To Pimp a Butterfly“. Die Comic-Zeichnungen werden mit aufwendig recherchierten Infos zu Karrieren, Labels, Filmen, Fernsehsendungen und politischen Entwicklungen, die die afroamerikanische Gesellschaft der USA nachhaltig geprägt haben, angereichert. Es sind kleinen Häppchen, die einem „Black & Proud“ in Twitter-Format-Länge liefert.

Dass dabei viele Ereignisse und Informationen auf der Strecke bleiben, macht wenig. Denn am besten liest sich dieses Buch mit dem Einsatz einer Internet-Suchmaschine (nicht abdriften!) und in der Nähe eines Lautsprechers. Denn „Black & Proud“ liefert eine Playlist mit 616 Songs, die man via Spotify abrufen kann.