Bilder der Nähe, die Generationen überbrücken

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Die Galerie Christine König setzt die Fotografin Elfie Semotan mit der Malerin Rebecca Brodskis in einen Dialog.

Intimität: Lässt sich das malen? Oder fotografieren?

Für die französische Malerin Rebecca Brodskis, Jahrgang 1988, führt der Weg zur Darstellung größtmöglicher Nähe über das Motiv der Mutter mit Kind: Die teils in Marokko aufgewachsene Künstlerin lässt sich von der überreichen Bildtradition (Krippe! Christkind! Madonna!) nicht erdrücken und malt heutige Figuren – teils sich selbst, teils Freundinnen und Frauen aus ihrem Umfeld. Das größere Thema sind: Beziehungen.

In Wien stieß die Galerie Christine König, in der Brodskis 2022 erstmals ausgestellt hatte, nun einen Dialog an: Über Monate schickte die große österreichische Fotografin Elfie Semotan, Jahrgang 1941, der Französin eine Auswahl von Fotos, diese reagierte malerisch darauf.

Semotan, die als Fotografin, Model und Stilikone gerade auch in der Helmut Lang-Schau des MAK präsent ist, wählte einen ganz anderen Zugang zur Intimität: Die Schau in der Galerie (bis 7. Februar, Mi–Fr 11-18 Uhr) zeigt sehr leise Fotos, die aber viel aus dem Lebensbereich der Fotografin preisgeben.

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Viele Fotos stammen aus Semotans Haus im burgenländischen Jennersdorf. Eine Aufnahme blickt auf Archivschränke, eine andere auf Vorhänge und Tischlampen (Reflexionen, Projektionen und die zarte Grenze zwischen dem Verbergen und Zeigen scheinen durchgehende Motive zu sein). Nur scheinbar beiläufig wirkt der Blick auf das Nachtkästchen und ein Bett, an dessen Fußende ein Bild von Semotans einstigem Mann Kurt Kocherscheidt (1943–1992) hängt.

Bildermacher

Dass sich die Bildermacherin stets in der Gesellschaft von Bildermachern aufhielt, wird auch in verklausulierten Porträts von Jonathan Meese und Raymond Pettibon sichtbar. Der Bildhauer Bruno Gironcoli erscheint durch das Echo des mit Blumen überladenen Tischchens, an dem er einst sein Mittagessen einzunehmen pflegte.

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Brodskis Bilder nehmen Elemente wie Schattenmuster aus den Fotos auf und spinnen sie weiter: Der Reiz der Schau entspinnt sich ganz wesentlich zwischen den Bildern. Wer dazu weiß, dass Semotan lange Zeit nebenan, in der Galerie der 2023 verstorbenen Gabriele Senn, ausstellte und dass auch bei Christine König mittlerweile ein Generationswechsel im Gange ist, wird die feinsinnige Schau auch als Zeichen von Erneuerung und Kontinuität zu deuten wissen.

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