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Kultur
04/07/2019

Bewerbung: Wie Paulus Manker das Volkstheater bespielen würde

Der Schauspieler und Regisseur bestätigt seine Bewerbung, wurde aber bisher ignoriert.

von Gert Korentschnig

Als die Leitung des Volkstheaters ab 2020 neu ausgeschrieben wurde, gab es nicht wenige Theaterliebhaber, die sofort den Namen eines möglichen Direktors parat hatten: Paulus Manker. Das wäre cool und ein aufregender Gegenpart zum Burgtheater unter Martin Kušej, fanden sie.

Dann hörte man wenig von Manker auf der Gerüchtebörse. Und auch Manker selbst hörte . . . gar nichts. Nichts von der Kulturpolitik und nichts von der eingesetzten Jury. Obwohl er sich – wie er dem KURIER bestätigt – für den Job beworben hatte. „Man hat mich bisher nicht für ein Hearing eingeladen. Und man hat mir auf Nachfrage nicht einmal abgesagt.“

Vor einer guten Woche stoppte Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler die Ausschreibung, weil die Führung des Hauses unter den momentanen finanziellen Umständen nicht möglich sei. Ist das nun gut für Manker? Oder sind seine Ideen zu kühn für die Stadt Wien?

Dem KURIER liegt sein – in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro querkraft – gestaltetes Konzept vor. Es ist erwartungsgemäß spektakulär, konsequent, radikal. Und würde das Volkstheater weit über ein traditionelles Theater hinaus als einzigartigen Raum positionieren.

„Wie könnte das Volkstheater punkten“, fragt Manker selbst in seinem Konzept? „Mit tollen SchauspielerInnen“. Nein, die würden nicht an dieses Haus kommen. „Mit namhaften RegisseurInnen?“ Ebenso nicht. Auch nicht mit raffinierter Technik, weil die Möglichkeiten bescheiden seien. Mit neuen Stücken? Fehlanzeige.

Also schlägt der Schauspieler und Theatermacher, dessen Vater Gustav Manker das Haus von 1968 bis 1979 geleitet hatte, die Bespielung des Volkstheaters mit Polydramen und völlig neuen Raumerlebnissen vor. Ein Polydrama ist das, was Manker mit dem weltweit aufgeführten Stück „Alma“ perfektionierte, bei dem die Handlung simultan auf verschiedenen Schauplätzen stattfindet.

Gucklöcher

Dafür würde er die Bühne mit dem Zuschauerraum zu einer Einheit verbinden. Ohne Guckkasten, ohne Trennung von Publikum und Darstellern. Auch Nebenräume und Foyers, von der roten Bar bis zum Hitlerzimmer, würde er neu gestalten und bespielen. Und außen an allen Ecken „Satelliten“ anbauen, hunderte Quadratmeter groß. Das Haus würde sozusagen ummantelt, aber auch Richtung Stadt geöffnet, weil man durch Gucklöcher Schauspielern etwa beim Proben zuschauen kann.

Auf Höhe des Balkons gäbe es rundum eine Terrasse, der Eingang würde nach hinten verlegt und die Museumsstraße für den Verkehr gesperrt. „Ich hab’ mit Stadtplaner geredet, das ginge alles.“

Gespielt wird über mehrere Monate hinweg en bloc, drei eigene Stücke würde er mitnehmen: „Alma“, „Die letzten Tage der Menschheit“ und seine Wagner-Produktion. „Jeder neue Direktor nimmt seine Erfolgsproduktionen mit“, sagt Manker. Er denkt aber auch an Regisseure wie Christoph Marthaler, Herbert Fritsch, Ivo van Hove etc. In der zweiten Saison würde er das Haus zu einem Schiff umbauen und mit Stücken zu den Themen Flucht, Ausgrenzung, Rassismus, Emigration, Diaspora bespielen. Und auch Gastspiele einladen.

Aber ist das finanziell nicht illusorisch? Manker: „Das Theater bekommt 15 Millionen Subvention, davon gehen elf für Fixkosten auf, da bleibt für künstlerische Produktion wirklich nicht viel. Aber bei meinem Konzept sparen wir 30.000 Euro pro Monat allein durch den Wegfall teurer Umbauten in der Nacht, 55.000 bis 65.000 Euro pro Bühnenbild. Die Umbaukosten selbst betragen zwei Millionen.“

Angedacht wären 200 Abende pro Jahr. Er will vor allem auch im Sommer spielen. „Das macht sonst kein Theater in Wien. Auch da wären wir einzigartig.“ Jedenfalls brächte er tausende Fans mit, die dann im subventionierten Bereich Karten zum halben Preis im Vergleich zu seinen bisherigen Aufführungen bekämen.

Man darf gespannt sein, ob es doch noch ein Gespräch mit ihm gibt.

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