Grandseigneur der Salzburger Festspiele mit 89 Jahren gestorben
Der Bankier Heinrich Wiesmüller starb am 15. April mit 89 Jahren nach kurzer Krankheit in Salzburg. Über 50 Jahre lang hatte er für das Bankhaus Spängler gearbeitet – als Gesellschafter, Vorstandssprecher und später als Vorsitzender des Aufsichtsrats. Zudem war er über Jahrzehnte der Grandseigneur der Salzburger Festspiele.
Er besaß einen feinen Witz und ein enormes Wissen, er liebte die Kunst und die Musik, aber er drängte sich nie auf. Die Querelen der letzten Zeit – er war mit dem Pianisten und Ex-Intendanten Markus Hinterhäuser auch familiär verbunden – dürfte er sicher nicht goutiert haben.
Wiesmüller, am 1. Juli 1936 in Salzburg als Sohn eines Oberförsters geboren, wuchs im Lungau auf. Nach dem Jusstudium wurde er Anfang der 1960er-Jahre Sekretär von Landeshauptmann Hans Lechner. Ab 1967 engagierte er sich 35 Jahre für die Internationale Stiftung Mozarteum, von 1975 bis 1991 war er Vizepräsident des Vereins der Freunde und Förderer der Salzburger Festspiele.
So kam es, dass er von 1976 bis 1985 im Festspieldirektorium saß, danach beriet er als Konsulent. Als Herbert von Karajan 1989 starb, war er – u. a. mit dem Unternehmer Hans Landesmann – Mitglied der Findungskommission, die für die künstlerische Leitung Gerard Mortier als Erneuerer vorschlug. Der Belgier begann 1991 – zusammen mit Hans Landesmann als kaufmännischen Leiter. Und Wiesmüller war von 1991 bis 1995 Präsident des dreiköpfigen Direktoriums. Auf ihn folgte Helga Rabl-Stadler. Von 2001 bis 2007 war Wiesmüller Kuratoriumsmitglied.
Hans Landesmann, Gerard Mortier und Heinrich Wiesmüller
Er unterstützte also nicht nur Herbert von Karajan und Gerard Mortier, sondern auch die nachfolgenden Intendanten Peter Ruzicka und Jürgen Flimm. Sein Credo lautete: „Ich bin nicht einer, der Festspiele macht, sondern einer, der Festspiele möglich macht.“
„Mit Heinrich Wiesmüller verlieren die Salzburger Festspiele eine Persönlichkeit, die über Jahrzehnte hinweg prägend gewirkt hat – leise, klug und mit einer Selbstverständlichkeit, die heute selten geworden ist“, so das Direktorium der Festspiele in einer Aussendung.
Auch Helga Rabl-Stadler meldete sich zu Wort: „Heinz Wiesmüller war es ein Anliegen, die Salzburger Festspiele vom zweifelhaften Ruf einer Enklave der Reichen und der Schönen zu befreien. Er setzte sich dafür ein, dass auch aus Festspielgeldern das Entstehen einer umtriebigen Szene der Jugend gefördert wurde. (…) Und Heinz Wiesmüller wollte, dass die Salzburger Festspiele mitten im internationalen Festival-Wildwuchs die besten der Welt blieben. Aber wenn es dann in der Hofstallgasse inmitten von Selbstverwirklichern unter Intendanten, Künstlern und Politikern gar zu bunt und aufregend wurde, gab er uns den besänftigenden Rat: ‚E la nave va‘, das große Festspielschiff fährt weiter.“
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