Kultur
30.08.2018

"Bad Spies": Tod durch Kaiserschmarrn

Mila Kunis und Kate McKinnon sind in einer brutal-amüsanten Agenten-Komödie zu sehen.

Europa sehen und sterben? Oder gleich sterben, ohne Europa zu sehen?
Vor diese dürre Wahl gestellt, entscheidet sich eine junge Amerikanerin namens Audrey  zuerst einmal für Europa. Gemeinsam  mit ihrer besten Freundin Morgan reist sie direkt nach Wien, zu einer Verabredung im Café Schiele. Dort gibt es nicht nur Kaffee und Kronleuchter, sondern auch eine wüste Schießerei, die in Tod durch Kaiserschmarrn endet.

Zum Glück nicht für die beiden  Amerikanerinnen. Die schaffen es gerade noch rechtzeitig in ein Fluchtauto, dem die Vertreter aller möglichen Geheimdienste wütend hinterherballern. Irgendwann ist der Fahrer tot und Audrey muss auf dem Schoß der Leiche die Karre durch den Kugelhagel lenken.

Mila Kunis und die geniale Komödiantin Kate McKinnon, Star von „Saturday Night Live“, schießen sich im komischen Duett als  unfreiwillige Spioninnen quer durch den Kontinent.

Der englische Originaltitel  „The Spy Who Dumped Me“ („Der Spion, der mich sitzen ließ“) verrät den Anlass: Audrey (Mila Kunis) wurde von ihrem Boyfriend (Justin Theroux) per SMS sitzen gelassen. Wie sich posthum herausstellt, führte er ein Doppelleben als CIA-Agent. Durch die Verbindung zu ihm gerät Audrey in den Besitz eines USB-Sticks und dadurch ins Kreuzfeuer  verschiedener Geheim-Agenten. Eine wilde Jagd quer durch Europa beginnt.

Verblödet

So bekommt eine russische Auftragskillerin die Anweisung, die Freundinnen zu erledigen. Personenbeschreibung: „Zwei dumme Amerikanerinnen“. Suchend blickt die Scharfschützin durch das Fernglas ihres Gewehrs und sieht – dumme Amerikanerinnen: zwei, die sich gerade übergeben; zwei, die verblödete Selfie-Grimassen schneiden; zwei, die sich wollüstig an einer Kirchen-Statue reiben.

Audrey und Morgan sind nicht unter diesen dummen Amerikanerinnen,  doch Regisseurin Susanna Fogel variiert ihre überraschend brutale Action-Komödie zwischen transgressivem Witz und alberner Klamotte. Besonders McKinnon bringt ihren allzeit bereiten Comedy-Körper in gewagten Stunts – etwa auf einem Trapez – zum haarsträubenden Einsatz. Nicht immer lohnt der Aufwand, denn einige der Witze zünden besser, andere schlechter. Doch Kunis und McKinnon bilden eine knackige  Kombination aus Sinnlichkeit und Schlagkraft, Kussmund und Kinnhaken, Augenaufschlag und Wortwitz. 

Gut gelaunt nehmen sie immer wieder  frischen Anlauf. An jede noch so abgegriffene Standard-Situation der Agenten-Komödie (Verfolgungsjagd,  Verhörszene, Verkleiden als jemand anderes,  etc.) gehen sie mit derartig spritzigen Elan heran, dass das wohlige Gute-Laune-Feeling beim Zusehen niemals unter das Witzniveau sinkt.