Kultur
22.08.2014

"Babylon-Suite" von Jörg Widmann uraufgeführt

Kritik. Ein Meisterwerk, das lange im Gedächtnis bleibt.

Diese Musik wird bleiben." Mit diesen Worten kommentierte Intendant und Starpianist Rudolf Buchbinder die äußerst erfolgreiche Uraufführung der "Babylon-Suite" von Jörg Widmann beim Musikfestival Grafenegg.

Buchbinder wird – diese Prognose sei gewagt – recht behalten. Denn der deutsche Komponist Widmann, er ist heuer auch "composer in residence" in Grafenegg, hat mit seiner "Babylon-Suite" aus dem Vollen geschöpft. Konkret gesagt: Aus seiner 2012 an der Bayerischen Staatsoper uraufgeführten Oper "Babylon". Schon in München ein umjubeltes Meisterwerk, hat Widmann bei seiner Suite (ein Auftragswerk des Musikfestivals Grafenegg) die wichtigsten Motive gebündelt, die Gesangsstimmen im Orchester integriert.

Das Ergebnis ist eine hinreißend hörbare, eingängige, bewusst den Zitatenschatz der Musikgeschichte nützende Komposition. Vom Jazz bis zum Marsch, von filigransten Lyrismen bis zu atonalen Einschüben – Widmann spielt virtuos auf der Klaviatur orchestraler Möglichkeiten.

Und Dirigent Kent Nagano – er leitete auch die Uraufführung der Oper – sowie das bestens geprobte und disponierte Tonkünstler-Orchester Niederösterreich kosteten alle Facetten der vielschichtigen Partitur aus. Ein Sonderlob gebührt der Konzertmeisterin und den extrem geforderten Schlagwerkern. Der Jubel im Auditorium (man wich der Kälte aus) war groß.

Doch Widmann ist nicht nur ein exzellenter Komponist, sondern auch ein fabelhafter Klarinettist. Das untermauerte der Künstler eindrucksvoll als virtuoser Solist bei Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinetten-Konzert in A-Dur (KV 622). Eines Sinnes mit Nagano und den Musikern sorgte Widmann hier für ein Feuerwerk an Effekten.

Ganz anders nach der Pause die vierte Symphonie von Gustav Mahler, bei der Nagano, das Orchester sowie die gute Sopranistin Camilla Tilling etwas zu sehr auf Betulichkeit und Behaglichkeit setzten.

KURIER-Wertung: