Ave Minister, die Todgeweihten grüßen dich

Ein Schreibtisch mit Aktenordnern, einem Stempel, einer Kaffeetasse und abgelehnten Dokumenten, über dem ein Paragraphenzeichen an einem Spinnenfaden hängt.
Die geplante Streichung von Lateinstunden - sine dubio auch ein Thema im (fiktiven) Kulturamt.

S. g. Kulturamt!

Jüngst war auf Seite 2 des KURIER zu lesen: „Latein ist kein Gerümpel“ – ein sehr gescheiter Artikel. Wie kann ausgerechnet ein Bildungsminister die Reduktion des so bedeutenden Kulturgutes Latein forcieren? Schließlich nennt man in Österreich die Gymnasien „AHS“, das heißt ja Allgemeinbildende Höhere Schulen. In der „ZiB 2“ schwadronierte der Minister (lat.) dann, es handle sich bloß um Gewichtung. Nach welcher Logik soll eine solche Gewichtung ausschließlich zulasten Allgemeinbildender Höherer Schulen gehen, deren Schüler von ihren Eltern gerade wegen eben „höherer Bildung“ dorthin geschickt werden? Die AHS haben kaum Lobbys im Gegensatz zu BHS. Deshalb wäre es die Pflicht eines Ministers für Bildung, Fächer der AHS vor Auswüchsen neuer Technologien (Informationsflut und digitale Suchtmittel wie Social Media) zu schützen. Mein Antrag an Sie: Nicht weniger, sondern mehr Latein!

Cum salutibus amicis, Dr. F. M.

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Sehr geehrter Herr Dr. F. M.,

vielen Dank für Ihr Schreiben, dessen Einlangen wir submissest confirmieren (Geschäftszahl 04/2026). Ebenso wie wir das Ansinnen des Ministers ablehnen, müssen wir es jedoch auch mit Ihrem Antrag tun – allerdings nur mangels Zuständigkeit. Ginge es nach unseren Bildungspräferenzen, wären wir sine dubio für eine Ausweitung des Lateinunterrichtes an den AHS. Am besten zulasten von Physik- und Chemiestunden. Da würde unserer Überzeugung nach eine Basisausbildung reichen, weil uns im Alltag noch kein Individuum begegnet ist, welches das dort erworbene Wissen später je gebraucht hätte. Vielleicht sollte man dazu vox populi befragen, wenn das gerade so beliebt ist.

Und da wir schon dabei sind: Wir halten den Zwang, sich zwischen Musik und bildender Kunst entscheiden zu müssen, in einem Kulturland für fahrlässig. Und lebende Fremdsprachen müssten dringend praxisnäher gelehrt werden. Es gäbe also viel zu tun in einer Zeit, in der man sich auf Prof. Google nicht verlassen kann, der beim Suchbegriff BHS „Mehrzahl von BH“ ausspuckt.

Wofür man Latein im Leben braucht, haben zuletzt viele kluge Köpfe expliziert. Im Prinzip läuft es aber stets auf Eines hinaus: für das Denken. Auch wenn manche glauben, genau das brauche man in Zeiten von KI nicht mehr. Und wer ein Gerundium von einem Gerundiv unterscheiden kann, tut sich vielleicht auch beim präzisen Formulieren leichter. Die politische Sterbehilfe für Latein lässt jedenfalls an einen berühmten Satz aus „Asterix“ denken. Nicht „alea iacta est“, sondern „morituri te salutant“. Die Todgeweihten grüßen dich.

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